„Ashes of Creation“-Chef meldet sich nach Kollaps des MMOs – und spricht von erstem Gerichtserfolg

Nach dem spektakulären Zusammenbruch des Kickstarter-MMORPGs Ashes of Creation hat sich nun erstmals der frühere CEO des Entwicklerstudios zu Wort gemeldet. Steven Sharif, Gründer von Intrepid Studios, veröffentlichte auf dem offiziellen Discord-Server des Spiels eine ausführliche Stellungnahme – und sprach dabei von einem ersten juristischen Erfolg gegen den eigenen Vorstand.

Das MMO war Anfang Februar aus dem Store von Steam entfernt worden, nachdem das Projekt zunehmend in Schwierigkeiten geraten war. Der Kollaps ging mit einer Reihe schwerer Vorwürfe einher: Mehr als hundert Entwickler sollen entlassen worden sein, ohne ihren letzten Monatslohn zu erhalten. Gleichzeitig beschuldigte ein Investor die Unternehmensführung des Finanzbetrugs. Zusätzlich wurden mehrere Klagen eingereicht, in denen Intrepid Studios Verstöße gegen den US-amerikanischen Worker Adjustment and Retraining Notification Act vorgeworfen werden.

Sharif selbst hatte sich bislang bewusst nicht öffentlich geäußert. In seiner Erklärung betont er, dass er den Konflikt lieber vor Gericht statt in der Öffentlichkeit austragen wollte, weil dort Fakten und Beweise entscheidend seien.

In der aktuellen Auseinandersetzung richtet sich Sharifs Klage gegen den Vorstand von Intrepid Studios, angeführt vom Vorsitzenden Rob Dawson, sowie gegen die verbundene Firma TFE Games Holdings LLC. Er wirft ihnen unter anderem Verletzung von Treuepflichten, Missbrauch von Geschäftsgeheimnissen und den Versuch vor, Unternehmenswerte – darunter die IP von „Ashes of Creation“ – unrechtmäßig zu übernehmen.

Ein Richter am United States District Court for the Southern District of California hat inzwischen eine temporäre einstweilige Verfügung erlassen. Diese untersagt dem Vorstand und TFE Games Holdings vorläufig, auf Geschäftsgeheimnisse von Intrepid zuzugreifen oder diese zu nutzen, darunter auch den Quellcode des Spiels. Die Verfügung gilt zunächst bis zu einer Anhörung über eine mögliche einstweilige Verfügung am 18. März.

Sharif kündigte an, den Streit weiter vor Gericht auszutragen. Zugleich erklärte er, er wolle nicht zulassen, dass die Arbeit von hunderten Entwicklern und die Unterstützung von Millionen Spielern durch eine kleine Gruppe von Personen zunichtegemacht werde. Wie es mit dem einst ambitionierten MMO-Projekt weitergeht, dürfte nun maßgeblich von den kommenden Gerichtsentscheidungen abhängen.