Capcom-Präsident verrät das Geheimnis hinter der Erfolgsserie des Publishers

Kaum ein großer Publisher hat in den vergangenen Jahren eine derart beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen wie Capcom. Titel wie Monster Hunter Wilds, Resident Evil Requiem, Dragon's Dogma 2, Pragmata und Street Fighter 6 konnten sowohl Kritiker als auch Spieler überzeugen. Während viele Fans die Erfolgswelle auf einzelne Entwickler oder die starke Nutzung bekannter Marken zurückführen, sieht Capcom-Präsident Haruhiro Tsujimoto die Ursache an anderer Stelle.

In einem Interview mit Famitsu erklärte Tsujimoto, dass Capcom bewusst von einer entwicklerzentrierten Struktur abgerückt sei. Früher seien viele Spielereihen stark von einzelnen kreativen Köpfen abhängig gewesen. Wenn diese Personen das Unternehmen verließen oder an anderen Projekten arbeiteten, geriet oft die Zukunft einer gesamten Marke ins Wanken.

Nach internen Diskussionen habe Capcom deshalb beschlossen, dieses Modell aufzugeben. Statt einzelne Serien an bestimmte Entwickler zu binden, werden Projekte heute stärker von Teams getragen. Laut Tsujimoto sei sogar in Kauf genommen worden, dass sich die Verkaufszahlen während dieser Umstellung kurzfristig verschlechtern könnten. Langfristig habe sich der Wechsel jedoch ausgezahlt.

Die Aussage ist besonders interessant, weil Capcom zu Beginn der 2010er-Jahre durchaus mit Problemen zu kämpfen hatte. Spiele wie Resident Evil 6 wurden kontrovers aufgenommen, Street Fighter V startete mit erheblichen Schwierigkeiten und auch das Reboot DmC: Devil May Cry spaltete die Fangemeinde. Gleichzeitig blieben neue Marken und Experimente wie Asura's Wrath oder Lost Planet 3 hinter den Erwartungen zurück.

Der Wendepunkt kam für viele Beobachter mit Resident Evil 7 im Jahr 2017. Der Wechsel zur Ego-Perspektive und die stärkere Rückkehr zu Horror-Elementen markierten einen Neuanfang für die Reihe. Kurz darauf folgten Erfolge wie Monster Hunter: World und das gefeierte Remake von Resident Evil 2, die den Grundstein für Capcoms heutige Position legten.

Ganz unumstritten ist Tsujimotos Sichtweise allerdings nicht. Viele der erfolgreichsten Capcom-Marken entstanden ursprünglich durch starke kreative Persönlichkeiten. So gilt Shinji Mikami als Schöpfer von Resident Evil, während Hideki Kamiya maßgeblich an Devil May Cry beteiligt war. Auch Hideaki Itsuno prägte mit Dragon’s Dogma eine der wichtigsten modernen Marken des Unternehmens.

Auffällig ist jedoch, dass all diese bekannten Entwickler Capcom inzwischen verlassen haben. Genau darin könnte ein Teil der Erklärung liegen: Ein Unternehmen, das sich zu stark auf einzelne Stars verlässt, wird anfällig, sobald diese gehen. Mit seiner teamorientierten Struktur hat Capcom offenbar einen Weg gefunden, seine Marken langfristig erfolgreich weiterzuführen, ohne von einzelnen Personen abhängig zu sein.

Betrachtet man die Verkaufszahlen und Kritikerwertungen der vergangenen Jahre, scheint die Strategie bislang aufzugehen. Capcom gehört aktuell zu den wenigen großen Publishern, die regelmäßig erfolgreiche Spiele veröffentlichen und gleichzeitig das Vertrauen vieler Spieler zurückgewonnen haben.