Entwickler erklärt, warum das Gesicht seiner schlafenden Frau zu einem RPG-Bossmonster wurde: „Gegenseitiges Trollen“

Bevor wir anfangen, muss eines direkt klargestellt werden: Der Entwickler von Billy the Hero, bekannt unter dem Namen JOJOJOJOsoft, behauptet keineswegs, dass seine Frau – egal ob schlafend oder wach – wie ein schreckliches Monster aussieht.

In einem Reddit-Beitrag (via Automaton) erklärte der Indie-Entwickler ausführlich, wie aus einem völlig harmlosen Ausgangspunkt ein ziemlich verstörendes Bossmonster für sein kommendes rundenbasiertes Rollenspiel entstand.

Und ja: Der Ursprung des Monsters ist tatsächlich das Gesicht seiner schlafenden Ehefrau.

Bevor jetzt allerdings jemand die Alarmglocken läutet: Gegenüber Kotaku stellte JOJO klar, dass alles Teil eines langjährigen gegenseitigen Trolling-Wettkampfs zwischen dem Paar sei. Wenn überhaupt, handelt es sich also eher um kreative Rache.

Ein Teddy in der Hölle

Billy the Hero erzählt die Geschichte von Billy, dem „schlimmsten Verbrecher der Welt“, der alle sieben Todsünden verkörpert.

Nachdem er erwacht, findet er sich auf der sogenannten Hölleninsel wieder, allerdings nicht in seinem ursprünglichen Körper, sondern als niedlicher kleiner Teddybär.

Billy nimmt diese bizarre Situation erstaunlich gelassen hin. Statt einen Weg aus der Hölle zu suchen, sieht er die Insel als Chance, daraus sein persönliches Paradies zu machen und sie irgendwann selbst zu beherrschen.

Das Spiel kombiniert ein ungewöhnliches Kampfsystem, das auf Mathematik und Gier basiert, mit einem auffälligen Grafikstil irgendwo zwischen Pixel-Art und Cartoon.

Um eine solche Welt zu erschaffen, braucht JOJO natürlich zahlreiche Gegner und Bosse. Und für Inspiration greift er offenbar auf viele verschiedene Quellen zurück.

Eine davon: seine eigene Ehefrau.

Während sie schläft.

Was zunächst ziemlich fragwürdig klingt, ist laut Entwickler allerdings deutlich harmloser gemeint.

So wurde aus einem schlafenden Gesicht ein Horror-Boss

Auf Reddit beschreibt JOJO das Monster als seine bisher aufwendigste Kreatur.

„Das Monster, dessen Erstellung am längsten gedauert hat.“

Der Grund?

„Vor allem, weil unsere Beziehung über 20 Jahre lang gewachsen ist!“

Der thailändische Entwickler beschreibt anschließend Schritt für Schritt seinen ungewöhnlichen Entstehungsprozess:

1. Die geheime Mission

Seine Frau hatte lange aufgeblieben, um für die Kinder zu backen. Am Morgen lag sie deshalb in besonders tiefem Schlaf.

Für JOJO: perfektes Timing.

„Perfektes Licht, perfekter Moment.“

Also machte er heimlich Referenzfotos aus verschiedenen Winkeln.

Die wichtigste Regel:

„Wecke sie nicht auf.“

Denn im Tiefschlaf entstehe der natürliche Ausdruck, den er für seine Monsteridee brauche.

Wenn sie wach wäre, würde sie schließlich automatisch posieren und versuchen, gut auszusehen.

Und genau das wäre für „Monster-Material“ ungeeignet.


2. Fotomontage

Anschließend schnitt JOJO verschiedene Gesichtspartien aus den Fotos aus und kombinierte sie zu einer neuen Kreatur.

Die Grundform entstand durch sogenanntes Photo-Bashing – also das Zusammensetzen verschiedener Bildquellen zu einem neuen Design.

3. Farben, Schatten und Texturen

Danach reduzierte er zunächst die Farben auf Graustufen und arbeitete anschließend wieder neue Farbtöne ein, um Licht und Schatten anzupassen.

Darüber legte er verschiedene Texturen.

Und hier wird es besonders bizarr:

Für die fleischige Oberfläche des Monsters verwendete er unter anderem Referenzen von rohem Fleisch.

Einige Bilder sahen offenbar sogar aus wie Straßenunfälle.

Vielleicht sollten sie also lieber kein romantisches Jubiläumsgeschenk werden.

4. Der Horror-Faktor

Ein Monster braucht natürlich Blut.

Also fügte JOJO hinzu:

  • rote Details in den Vertiefungen,
  • Adern,
  • Sehnen,
  • fleischige Verbindungen.

Das Ergebnis: eine mehrgesichtige, vielarmige Kreatur mit einer verstörenden Fleischstruktur.

Seine Frau wusste Bescheid – und macht selbst dasselbe

Falls diese Geschichte bisher nach einer sehr einseitigen Aktion klingt, gibt JOJO Entwarnung.

Seine Frau weiß davon.

Mehr noch: Sie macht aktiv mit.

Der Entwickler erklärte gegenüber Kotaku, dass das Ganze aus Spaß entstanden sei und Teil eines jahrelangen spielerischen Streits zwischen den beiden ist.

„Wir stehen uns sehr nahe und ärgern uns ständig gegenseitig.“

Allerdings sei meistens er derjenige, der den Kürzeren zieht.

„Sie ist viel schlimmer als ich!“

Seine Frau mache regelmäßig Streiche auf Facebook und veröffentliche manchmal heimlich Fotos von ihm, während er in peinlichen Schlafpositionen liege.

Ist das Monster also seine Rache?

JOJO antwortet:

„Sie in ein Monster zu verwandeln, ist einfach mein Versuch aufzuholen.“

Zum Glück fügt er hinzu:

„Unsere Beziehung ist großartig – sie basiert auf gegenseitigem Trollen und sehr viel Liebe.“

Auch andere Monster haben ungewöhnliche Vorbilder

Das Ehefrauen-Monster ist nicht die einzige bizarre Kreatur in Billy the Hero.

Auf der Steam-Seite des Spiels wird beispielsweise ein Skelettmonster gezeigt, dessen Design fast direkt von einem halb aufgegessenen Hähnchenknochen inspiriert wurde – kombiniert mit etwas, das wie Gebäck und Pommes aussieht.

Lecker.

Auf die Frage, ob es noch weitere ungewöhnliche Inspirationsquellen gibt, antwortet JOJO:

„Oh, jede Menge!“

Bevor er sein eigenes Studio gründete, arbeitete der Entwickler professionell als Matte Painter für Filme.

Dadurch sei ihm die Technik des Photo-Bashings praktisch in Fleisch und Blut übergegangen.

Er beschreibt seinen Workflow fast wie eine menschliche Version einer KI:

„Ich liebe es, zufällige Fotos zusammenzuwerfen, sie zu kombinieren und danach Details darüber zu malen.“

Trotzdem bleibe sein Lieblingsschritt der Anfang:

Bleistift und Papier.

Keine generative KI nötig

Auf der Steam-Seite von Billy the Hero gab es eine fehlerhafte KI-Kennzeichnung, die für Verwirrung sorgte.

Diese bezog sich jedoch lediglich auf automatische Skalierungsfunktionen in Photoshop.

JOJO stellt klar:

„Ich habe absolut keinen Bedarf, generative KI für die Bilderstellung einzusetzen.“

Ein Spiel über Nostalgie und Chaos

JOJO bezeichnet sich selbst als „nostalgischen Old-School-Gamer“.

Sein Entwicklungsprozess sei von dem Wunsch getrieben, ein bestimmtes Gefühl aus seiner Kindheit wieder einzufangen.

Über Billy the Hero sagt er:

„Die Dialoge sind kein poetisches Meisterwerk – sie klingen einfach wie Gespräche zwischen Freunden.“

Das Spiel soll sich anfühlen wie eine Reise zurück in eine bestimmte Lebensphase:

Man hängt mit rebellischen Freunden herum, alles ist laut, egoistisch und seltsam.

Es geht nicht darum, eine Stadt zu retten oder Gerechtigkeit zu bewahren.

Es geht einfach um Billy.

Und genau diese rohe, ehrliche Atmosphäre könnte laut JOJO das sein, was das Spiel besonders macht.