Gamereview: Echoes of Mystralia - Ein meisterhafter "Hades"-Erbe mit Zauberkasten

  • Genre: Action-RPG / Roguelite

  • Entwickler & Publisher: Borealys Games

  • Status: Early Access (Release: 11. August 2026)

  • Plattform: PC (Steam)

Der spirituelle "Hades"-Nachfolger: Zauberstab statt Schwert

Wenn wir ehrlich sind: Hades 2 ist bereits auf dem Markt und begeistert die Massen. Doch was passiert, wenn man das nahezu perfekte, rasante Gameplay und die Struktur des Supergiant-Hits nimmt und es mit einem tiefgreifenden Magie-System kreuzt? Die Antwort lautet Echoes of Mystralia. Borealys Games liefert hier einen Titel ab, der sich zwar nicht den Namen Hades auf die Fahne schreibt, ihm in Sachen Spielgefühl, Art-Design und Roguelite-Sogwirkung aber absolut ebenbürtig ist.

In der Rolle des Wächters Mazarim musst du den Zyklus der Erinnerungen beschützen und dich durch Horden von Schatten kämpfen, bevor die Welt im sogenannten "Rift" verschwindet.

Das Gameplay: Bastel dir deine eigene Zerstörung

Der Kern von Echoes of Mystralia ist das tiefgreifende "Spellcrafting"-System. Statt einfach nur zwischen Standard-Waffen zu wechseln, baust du dir aus über 100 gefundenen "Erinnerungen" (Memories) und 7 verschiedenen magischen Elementen (inklusive des neuen Nihil-Elements) deine völlig eigenen Zauber zusammen.

  • Die Idee: Eis-Tornados kombinieren? Ein gigantischer Feuerwirbel? Alles ist machbar. Je nachdem, wie du die gesammelten Komponenten anordnest, ändert sich das Verhalten deiner Magie grundlegend. Das finden wir extrem "nice", denn es belohnt clevere Ideen und Experimentierfreude sofort.

  • Der Loop: Wie es sich für ein starkes Roguelite gehört, kehrst du nach deinen Expeditionen in den Azimut-Tempel zurück. Dort sprichst du mit einer jahrtausendealten Drachen-Göttin, schaltest über das Lotus-System permanente Upgrades frei und passt deine Taktik für den nächsten Run an.

Unsere Eindrücke decken sich voll und ganz mit dem Lob vieler anderer Tester: Die Umsetzung ist fantastisch. Das rasante Gameplay geht wunderbar von der Hand, die Bilder und der generelle Art-Style sind eine absolute Augenweide. Dazu kommt ein Voice-Acting, das qualitativ locker in der obersten Liga mitspielt, und ein Roguelite-Loop, der einen unerbittlich vor den Bildschirm fesselt.

Mein persönlicher Eindruck: Geniales Zaubern mit kleinen Kinderkrankheiten

Beim Spielen hat mich der Titel sofort in seinen Bann gezogen. Für mich persönlich fühlt sich Echoes of Mystralia wie die perfekte Kombination aus Hades und Magicraft an, verpackt in eine Welt, die mich optisch extrem an Avatar erinnert.

  • Mein absolutes Highlight: Das extrem tiefe Spellcrafting-System. Aus über 100 "Erinnerungen" und verschiedenen magischen Elementen völlig eigene Zauber zu bauen – etwa Eis-Tornados oder gigantische Feuerwirbel – macht einfach süchtig und belohnt clevere Ideen sofort.

  • Balancing-Frust: Im Early-Access-Schliff sind mir beim Zocken jedoch ein paar nervige Balance-Schwächen aufgefallen. Vor allem manche Zwischenbosse (wie die Schatten) wirken aktuell völlig overtuned. Ich hatte in meinen Runs teilweise deutlich mehr Probleme mit diesen Minibossen als mit den eigentlichen Hauptbossen der Regionen.

  • Visuelles Chaos: Ein echter Störfaktor im Getümmel ist die fehlende Übersicht. Wenn ich meine mächtigsten Zauberkombos abfeuere, verwandelt sich der Bildschirm in ein undurchsichtiges Effekt-Feuerwerk. Hier brauche ich dringend einen Transparenz-Regler für die Magie-Effekte, da der eigene Charakter und gegnerische Angriffe sonst völlig im bunten Effektgewitter untergehen.

Technik & Performance: Unser Testsystem

Da das Spiel zwar wunderschöne Effekte bietet, als Indie-Titel aber humane Systemanforderungen (empfohlen wird etwa eine RTX 2060 für 1080p) hat, wollten wir sehen, wie es auf unserer Referenzmaschine läuft.

Test-Setup:

  • Laptop-Modell: MSI Vector GP76 12UH

  • Prozessor (CPU): Intel Core i7-12700H (14 Kerne, 20 Threads, Boost bis zu 4,7 GHz)

  • Grafikkarte (GPU): NVIDIA GeForce RTX 3080 Laptop GPU

  • Arbeitsspeicher (RAM): 16 GB DDR5

Performance-Eindruck:

Wenig überraschend: Echoes of Mystralia rennt auf dem MSI Vector extrem flüssig. Selbst wenn der Bildschirm durch die verrücktesten Zauberkombinationen mit Explosionen und Blitzen gefüllt ist, bleiben die Framerates butterweich und scheinbar ohne echtes Limit. Es gab zu keinem Zeitpunkt Ruckler oder FPS-Einbrüche. Durch die gute Optimierung dürfte das Spiel auch auf deutlich schwächeren Systemen oder Gaming-Handhelds ohne Probleme spielbar sein.

Pro & Contra

Das gefällt uns gut:

  • Geniales Zauber-Crafting-System mit endlosen Kombinationsmöglichkeiten

  • Steuerung, rasantes Action-Gameplay und Roguelite-Loop auf Hades-Niveau

  • Wunderschöne Bilder/Grafiken und absolut hervorragendes Voice-Acting

  • Extrem flüssige Performance

  • Fairer Preis für den Einstieg (rund 20 Euro)

Das gefällt uns weniger:

  • Manche Zwischenbosse (Minor Bosses) sind noch schlecht gebalanced und zu stark

  • Bei großen Zauberkombinationen leidet aktuell durch fehlende Effekt-Transparenz die Übersicht stark

Fazit

Echoes of Mystralia ist ein absolutes Fest für Action-Roguelite-Fans. Klar, wer explizit den Thronfolger von Zagreus sucht, greift zu Hades 2. Wer aber eine frische Welt, fantastische Voice-Lines und eine brillante Idee im Gameplay sucht, ist hier goldrichtig. Die Möglichkeit, sich seine komplett eigenen, verheerenden Zauber zusammenzubauen, ist meisterhaft umgesetzt. Wenn Borealys Games im Verlauf des Early Access noch das Balancing der Zwischenbosse anpasst und eine Transparenz-Option für die extrem fetten Zauber-Effekte hinzufügt, haben wir hier einen waschechten Indie-Hit, der sich hinter den großen Namen des Genres definitiv nicht verstecken muss.