Investoren wollen FromSoftware von Bandai Namco lösen und zum Selbstverlag drängen

Bei Kadokawa, der Muttergesellschaft von FromSoftware, bahnt sich derzeit ein Machtkampf an, der weitreichende Folgen für die Zukunft des Studios haben könnte. Der aktivistische Investor Oasis Management versucht, den aktuellen Kadokawa-CEO Takeshi Natsuno abzulösen. Einer der zentralen Kritikpunkte: Aus Sicht der Investoren verdient FromSoftware deutlich weniger Geld, als eigentlich möglich wäre, weil externe Publisher wie Bandai Namco einen großen Teil der Einnahmen erhalten.

In einer Präsentation für Aktionäre argumentiert Oasis, dass Kadokawa durch die aktuelle Struktur erhebliche Gewinne verschenke. Als Beispiel führt das Unternehmen den Erfolg von Elden Ring an. Während FromSoftware das Spiel in Japan selbst veröffentlichte, übernahm Bandai Namco Entertainment den Vertrieb in den meisten internationalen Märkten. Laut Oasis wurden mehr als 90 Prozent der Verkäufe außerhalb Japans erzielt, wodurch ein erheblicher Teil der Einnahmen an den Publisher floss statt direkt bei Kadokawa und seinen Aktionären zu landen.

Die Investoren vertreten die Ansicht, dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren grundlegend verändert haben. Digitale Vertriebsplattformen haben den weltweiten Verkauf von Spielen vereinfacht, während Kadokawa und FromSoftware deutlich gewachsen sind. Deshalb sei das Unternehmen inzwischen groß genug, um zukünftige Titel selbst zu veröffentlichen und die kompletten Erlöse einzustreichen.

Besonders interessant ist dabei die Zukunft der bekannten Marken des Studios. Zwar besitzt FromSoftware inzwischen die vollständigen Rechte an Elden Ring, doch bei anderen Erfolgsreihen sieht die Situation anders aus. Die Markenrechte an Dark Souls liegen bei Bandai Namco, während Bloodborne und Demon's Souls eng mit Sony verbunden sind. Selbst wenn FromSoftware künftig stärker auf Selbstveröffentlichung setzen möchte, wäre dies bei diesen Reihen nicht ohne Weiteres möglich.

Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass Kadokawa und FromSoftware ohnehin bereits in diese Richtung denken. Das kommende Multiplayer-Projekt The Duskbloods soll vollständig im Besitz von FromSoftware sein, einschließlich der Veröffentlichungsrechte. Das könnte darauf hindeuten, dass das Unternehmen langfristig unabhängiger werden möchte, unabhängig von den Forderungen der Investoren.

Unter Fans sorgt die Situation dennoch für Unruhe. Viele befürchten, dass ein größerer Einfluss von Oasis zu stärkerem Druck auf die Entwickler führen könnte. Der Investor ist vor allem an höheren Gewinnen interessiert und hatte in der Vergangenheit bereits kontroverse Vorschläge für die Spieleindustrie gemacht. So forderte Oasis vor Jahren unter anderem, Nintendo solle stärker auf Free-to-Play-Spiele setzen und sogar Mikrotransaktionen für Sprungverbesserungen von Mario einführen.

FromSoftware-Präsident Hidetaka Miyazaki selbst hält sich aus dem Streit weitgehend heraus. In einem Interview betonte er, dass für ihn vor allem wichtig sei, dass das Studio weiterhin ohne übermäßige Einmischung arbeiten könne. Die Freiheit, die eigenen Spiele nach den eigenen Vorstellungen zu entwickeln, habe für FromSoftware oberste Priorität.

Wie es weitergeht, entscheidet sich bei der Kadokawa-Hauptversammlung am 24. Juni. Dort stimmen die Aktionäre darüber ab, ob CEO Takeshi Natsuno im Amt bleibt. Selbst bei einer Abwahl wäre allerdings noch unklar, welchen Einfluss Oasis tatsächlich auf FromSoftware ausüben könnte und ob sich die Strategie des Studios dadurch spürbar verändern würde. Für Fans von Elden Ring und den Souls-Spielen bleibt die wichtigste Frage daher vorerst unbeantwortet: Kann FromSoftware seine kreative Unabhängigkeit bewahren, egal wer am Ende die Kontrolle über Kadokawa hat?