Pokémon kappt endlich die letzte Brücke zu den alten Generationen

Nach über einem Jahrzehnt endet der Support für Pokémon Bank... und damit verschwindet die letzte echte Verbindung zwischen vielen alten Pokémon-Spielen und der modernen Generation.

Es gibt Dinge, die man in Pokémon irgendwann einfach als selbstverständlich betrachtet. Ein Pokémon, das man vor Jahren gefangen hat, kann man irgendwann in ein neues Spiel mitnehmen. Vielleicht nicht immer direkt, vielleicht über drei verschiedene Apps, zwei Konsolengenerationen und einen Transferweg, der aussieht, als hätte ihn jemand absichtlich kompliziert gestaltet – aber irgendwie hat es funktioniert.

Genau diese Ära geht nun endgültig zu Ende.

Die Pokémon Company hat angekündigt, dass Pokémon Bank und Poké Transporter am 25. Februar 2027 endgültig ihren Dienst einstellen. Damit verschwindet die letzte offizielle Möglichkeit, Pokémon aus zahlreichen älteren Spielen über die 3DS-Generation hinweg in die moderne Pokémon-Welt zu übertragen.

Und irgendwie ist das deutlich trauriger, als es zunächst klingt.

Das Ende von Pokémon Bank

Pokémon Bank war ohnehin schon ein Relikt. Die 3DS-App wurde ursprünglich als zentrale Zwischenstation für Pokémon eingeführt und ermöglichte es unter anderem, Pokémon aus älteren Spielen weiterzureichen.

Zusammen mit Poké Transporter reichte die Verbindung erstaunlich weit zurück. Wer wirklich wollte, konnte Pokémon aus alten Generationen über mehrere Umwege bis in moderne Spiele retten.

Das war teilweise absurd kompliziert.

Früher bedeutete Pokémon-Transfer beispielsweise noch, dass man ein GBA-Spiel und ein DS-Spiel gleichzeitig in einem System brauchte, um seine Pokémon überhaupt in die nächste Generation zu bekommen. Später kamen Bank und Transporter dazu und machten das Ganze zumindest etwas übersichtlicher.

Heute übernimmt Pokémon Home diese Aufgabe wesentlich komfortabler.

Trotzdem hatte Bank etwas Besonderes: Sie war eine Art Zeitmaschine für Pokémon.

Ein Pokémon, das man vor zehn oder 15 Jahren gefangen hatte, musste nicht für immer auf seinem alten Modul bleiben. Man konnte es theoretisch durch mehrere Generationen begleiten lassen.

Jetzt wird genau diese Möglichkeit gekappt.

Das Timing ist irgendwie bitter

Besonders interessant ist, dass die Pokémon Company gleichzeitig angekündigt hat, dass die Anfang des Jahres erschienenen Switch-Versionen von Pokémon Feuerrot und Blattgrün im Oktober Unterstützung für Pokémon Home bekommen.

Das bedeutet: Neue Wege, alte Pokémon in die moderne Generation zu bringen, entstehen – während gleichzeitig der alte Weg endgültig verschwindet.

Wer also Pokémon Bank bereits besitzt und dort noch Pokémon liegen hat, sollte sie vorher übertragen.

Denn herunterladen kann man die App inzwischen nicht mehr. Der Nintendo 3DS eShop wurde bereits 2024 geschlossen. Pokémon Bank funktioniert derzeit nur noch für diejenigen, die die Anwendung schon zuvor auf ihrem Gerät eingelöst hatten.

Für die meisten Spieler dürfte das Ende deshalb kaum praktische Auswirkungen haben.

Für die Pokémon-Historie ist es trotzdem ein ziemlich großer Moment.

Pokémon werden immer stärker voneinander getrennt

Und genau hier wird es interessant.

Pokémon war lange eine Serie, die zumindest theoretisch eine ziemlich einzigartige Verbindung zwischen ihren Generationen aufgebaut hat. Ein Pokémon konnte ein erstaunlich langes Leben haben.

Du hast es vielleicht 2003 in Pokémon Rubin gefangen.

Dann hast du es nach Pokémon Diamant übertragen.

Von dort ging es irgendwann weiter nach Schwarz.

Später vielleicht nach Pokémon Bank.

Und schließlich nach Pokémon Home.

Dieses Pokémon konnte theoretisch über mehr als zwei Jahrzehnte mit dir unterwegs sein.

Das ist etwas, das viele moderne Videospiele überhaupt nicht mehr anbieten.

Gleichzeitig hat sich Pokémon in den vergangenen Jahren immer stärker davon entfernt.

Spätestens mit Pokémon Schwert und Schild wurde deutlich, dass nicht mehr jedes Pokémon automatisch in jedes neue Spiel übertragen werden kann. Die sogenannte „Dexit“-Kontroverse war damals riesig – und auch wenn die Diskussion inzwischen deutlich ruhiger geworden ist, hat sich an der grundsätzlichen Richtung wenig geändert.

Die National Dex ist nicht zurückgekehrt.

Und jetzt verschwindet auch noch die letzte Verbindung, die besonders alte Pokémon überhaupt noch mit der modernen Generation verbunden hat.

Pokémon Home ist besser – aber nicht dasselbe

Natürlich ist Pokémon Home objektiv die angenehmere Lösung.

Die App ist moderner, übersichtlicher und wesentlich komfortabler als die alten Transfermethoden. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass Pokémon Bank die bessere Benutzeroberfläche hatte.

Aber darum geht es eigentlich gar nicht.

Pokémon Bank war ein Stück Pokémon-Geschichte.

Es war die letzte funktionierende Verbindung zu einer Zeit, in der Pokémon noch auf Modulen lebte und der Besitz eines Pokémon tatsächlich an ein physisches Spiel gekoppelt war.

Heute kann man Pokémon viel einfacher zwischen modernen Spielen verschieben – solange das jeweilige Spiel sie unterstützt.

Und genau dieses „solange“ ist inzwischen ein ziemlich wichtiger Bestandteil der Serie.

Für Sammler dürfte es besonders weh tun

Für jemanden, der Pokémon einfach nur spielt, dürfte das Ende von Bank kaum relevant sein.

Für Sammler sieht die Sache anders aus.

Wer über Jahre hinweg Pokémon gesammelt hat, besitzt möglicherweise noch Exemplare aus Generationen, die heute nur noch schwer zugänglich sind. Manche dieser Pokémon wurden vor mehr als einem Jahrzehnt gefangen.

Und plötzlich steht die Frage im Raum: Wie lange bleiben diese alten Pokémon eigentlich noch erreichbar?

Pokémon Home ist zwar weiterhin die zentrale Plattform für die modernen Spiele. Aber die Verbindung zu den ganz alten Generationen wird zunehmend dünner.

Mit dem Ende von Pokémon Bank verschwindet nun auch der letzte offizielle Übergang zwischen dieser alten Welt und der Gegenwart.

Das fühlt sich ein bisschen so an, als würde Nintendo ein Museum schließen, in dem zwar niemand mehr täglich vorbeischaut, in dem aber trotzdem ein ziemlich wichtiger Teil der Geschichte aufbewahrt wurde.

Eine Ära endet

Das eigentlich Ironische daran ist, dass Pokémon Bank vermutlich schon lange nicht mehr besonders viele Nutzer hatte.

Die alten Spiele werden schwieriger zugänglich. Der 3DS ist längst aus dem aktiven Lebenszyklus verschwunden und der eShop geschlossen. Für die breite Masse dürfte das Ende von Bank deshalb kaum einen Unterschied machen.

Aber gerade deshalb ist es ein symbolischer Moment.

Mit Pokémon Bank verschwindet die letzte offizielle Online-Verbindung der 3DS-Ära.

Und damit endet auch eine ziemlich verrückte Transfergeschichte, die Pokémon-Spieler über Generationen begleitet hat.

Pokémon Home ist komfortabler. Die neuen Spiele sind moderner. Die Technik ist besser.

Aber wenn ich darüber nachdenke, dass ein Pokémon, das ich irgendwann vor 20 Jahren gefangen habe, theoretisch seinen Weg bis in ein modernes Spiel schaffen konnte, dann ist es schon ein wenig schade, dass diese Brücke jetzt endgültig abgerissen wird.

Denn Pokémon war immer auch eine Serie über Erinnerungen.

Und ausgerechnet jetzt wird es ein kleines bisschen schwieriger, diese Erinnerungen mitzunehmen.