Gamereview: Deadliest Pigeon im Test – Unterhaltsames Tauben-Chaos mit schnellem Verschleiß

Stell dir vor, du bist eine gefiederte Ein-Mann-Armee, ausgerüstet mit Schusswaffen und Greifhaken, auf einem kompromisslosen Rachefeldzug. Die Prämisse von Deadliest Pigeon klingt exakt nach der Sorte abgedrehtem Indie-Titel, der auf Plattformen wie Steam oder Twitch in kurzer Zeit viel Aufmerksamkeit generieren kann. Wir haben uns in die Entwicklungsversion gestürzt und geprüft, wie viel Substanz hinter dem Vogel-Vollkontakt steckt.

Key Facts

  • Genre: Action / Movement-Shooter

  • Entwickler: Rusty Rex | Publisher: Catoptric Games

  • Status: Noch nicht erschienen (Preview-Version)

  • Plattform: PC

Der erste Eindruck: Fliegen, Ballern, Zerstören

Der Einstieg in Deadliest Pigeon macht ohne Frage verdammt viel Spaß. Das Spielprinzip wirft jeglichen Realismus über Bord und setzt voll auf rasante Physik-Action:

  • Das Fluggefühl: Sich als bewaffnete Taube im Sturzflug auf Gegner zu stürzen und mit dem Greifhaken durch die Areale zu schwingen, bringt sofort ein Lächeln ins Gesicht.

  • Der Humor-Faktor: Die Absurdität der Situation zieht in den ersten Spielminuten enorm. Zerstörbare Umgebungen und chaotische Explosionen sorgen für echte Schmunzel-Momente.

Wer hier eine klassische Taubensimulation erwartet, liegt komplett falsch – das Gameplay orientiert sich spürbar an schnellen Movement-Shootern und zündet zu Beginn hervorragend.

Das Balancing-Problem: Zu mächtig für echte Spannung

Schon nach den ersten Abschnitten fällt jedoch auf: Der Gefieder-Rambo ist aktuell schlichtweg zu stark. Die Gegner agieren meist wie pures Kanonenfutter und können der enormen Mobilität sowie der Durchschlagskraft des Spielers kaum etwas entgegenhalten.

Da sich das Spiel derzeit noch in der Entwicklung befindet und noch nicht veröffentlicht wurde, besteht für das Team von Rusty Rex allerdings noch Hoffnung. Das Balancing lässt sich bis zum finalen Release anpassen, indem gegnerische Treffermuster überarbeitet oder der erlittene Schaden angehoben werden. Aktuell fehlt dem Spielablauf durch die spielerische Überlegenheit jedoch spürbar die Spannung.

Die Kehrseite: Der schnelle Einbruch der Spielfreude

Das größte Problem von Deadliest Pigeon offenbart sich nach knapp einer halben Stunde: Es fehlt an nachhaltiger Abwechslung. Die initiale Begeisterung weicht einer überraschend schnellen Ernüchterung.

  • Fehlende Dynamik: Das Gameplay bleibt exakt dasselbe wie in den ersten fünf Minuten.

  • Keine Gameplay-Progression: Gegnertypen, Abläufe und Aufgabenmuster verändern sich kaum.

  • Monotonie: Was anfangs als erfrischender Quatsch begeistert, fühlt sich durch die fehlenden Neuerungen extrem schnell repetitiv an.

Ohne frische Mechaniken, variierende Levelarchitekturen oder motivierende Progression nutzt sich das unterhaltsame Grundgerüst schlicht zu schnell ab.

Technik & Performance: Unser Testsystem

Da Deadliest Pigeon ein typisches, extrem kompaktes Indie-Projekt ist, fällt der Hardware-Hunger denkbar gering aus. Das Spiel setzt auf schlanke Asset-Strukturen und schnelle Action statt auf rechenintensive High-End-Grafik.

Test-Setup:

  • Laptop-Modell: MSI Vector GP76 12UH

  • Prozessor (CPU): Intel Core i7-12700H (14 Kerne, 20 Threads, Boost bis zu 4,7 GHz)

  • Grafikkarte (GPU): NVIDIA GeForce RTX 3080 Laptop GPU

  • Arbeitsspeicher (RAM): 16 GB DDR5

Performance-Eindruck:

Auf unserem Testsystem lief der Indie-Titel sprichwörtlich wie geschnitten Brot. Da das Spiel hardwaretechnisch kaum Anforderungen stellt, bewegten sich die Framerates in gefühlt grenzenlosen Höhen, ein FPS-Limit schien gefühlt gar nicht zu existieren. Ruckler oder Performance-Einbrüche gab es zu keinem Zeitpunkt. Selbst auf schwächeren Systemen dürfte die fliegende Knallcharge völlig problemlos laufen.

Pro & Contra

Das gefällt uns gut:

  • Erfrischend abgedrehtes Setting mit einer gehörigen Portion Humor

  • Unterhaltsame Flug- und Greifhaken-Mechaniken, die flüssig ineinandergreifen

  • Rasanter, unkomplizierter Einstieg für eine schnelle Runde zwischendurch

  • Enorm niedrige Systemanforderungen und seidenweiche Performance

Das gefällt uns weniger:

  • Das Spielprinzip wird leider extrem schnell monoton und zäh

  • Keine spürbare Abwechslung – das Gameplay verändert sich im Verlauf gar nicht

  • Schiefes Balancing, da der Spieler in der aktuellen Version viel zu mächtig ist

Planetkey-Prognose

Deadliest Pigeon bringt beste Voraussetzungen für ein kurzweiliges Indie-Event mit. Die Mechaniken rund um das Fliegen und Ballern machen in den ersten Runden richtig Laune, und das Setting ist herrlich schräg. Damit der Titel zum Release jedoch mehr als nur ein kurzes Meme-Spiel bleibt, müssen die Entwickler dringend nachbessern: Das Balancing muss knackiger werden und die Level- sowie Gegnerstruktur braucht spürbar mehr Varianz. Momentan hebt die Taube zwar technologisch butterweich ab, dreht in der Luft aber viel zu schnell ihre immer gleichen Runden.