Discord macht offenbar den nächsten Schritt Richtung Börsengang

Der beliebte Chatdienst Discord rückt einem möglichen Börsengang offenbar näher. Wie Bloomberg berichtet, hat das Unternehmen vertraulich Unterlagen für einen Initial Public Offering (IPO) eingereicht. Zwar bedeutet dieser Schritt noch keine Garantie dafür, dass Discord tatsächlich an die Börse geht, er zeigt jedoch deutlich, dass das Unternehmen seine Optionen in Richtung Wall Street weiter konkretisiert.

Ein sogenanntes vertrauliches IPO-Filing erlaubt es Unternehmen, den Markt und das Investoreninteresse auszuloten, ohne sich öffentlich festzulegen. Discord hatte bereits in den vergangenen Jahren immer wieder mit einem Börsengang oder einer Übernahme geliebäugelt, konkrete Schritte blieben bislang jedoch aus. Die nun bekannt gewordene Einreichung deutet darauf hin, dass das Thema intern wieder deutlich an Fahrt aufgenommen hat.

Wachstum auf Rekordniveau – Monetarisierung bleibt heikel

Discord zählt nach eigenen Angaben mittlerweile über 200 Millionen monatlich aktive Nutzer und ist längst nicht mehr nur eine Plattform für Gaming-Communities. Der Dienst wird zunehmend auch für Bildung, Arbeit, Fandoms und private Gruppen genutzt. Trotz dieses massiven Wachstums hat sich Discord bislang relativ zurückhaltend bei der Monetarisierung gezeigt.

Das Unternehmen betont regelmäßig, man wolle nutzerzentriert bleiben und nicht auf kurzfristige Gewinne setzen. Einnahmen stammen bislang vor allem aus dem Nitro-Abonnement, kosmetischen Features und kleineren Zusatzfunktionen. Werbung, wie sie auf vielen anderen sozialen Plattformen üblich ist, spielt bislang kaum eine Rolle.

Börsengang weckt alte Sorgen

Ein möglicher IPO sorgt jedoch erneut für Skepsis innerhalb der Community. Börsennotierte Unternehmen stehen unter konstantem Druck, Umsätze und Wachstum zu steigern – oft zulasten von Nutzerfreundlichkeit, Datenschutz oder Produktqualität. Kritiker befürchten daher, dass Discord im Falle eines Börsengangs stärker auf aggressive Monetarisierung setzen könnte, etwa durch Werbung, Datenauswertung oder kostenpflichtige Kernfunktionen.

Discord selbst hatte in der Vergangenheit mehrfach versichert, dass man keine radikalen Änderungen am Geschäftsmodell plane und die Plattform nicht auf Kosten der Nutzer „ausschlachten“ wolle. Ob dieses Versprechen auch unter dem Einfluss von Investoren Bestand hätte, bleibt abzuwarten.

Noch keine Entscheidung gefallen

Wichtig ist: Das vertrauliche Filing bedeutet nicht, dass ein Börsengang unmittelbar bevorsteht. Discord kann den Prozess jederzeit abbrechen oder verschieben. Dennoch markiert der Schritt eine neue Eskalationsstufe auf dem Weg zur Börse – und dürfte die Diskussion über die Zukunft der Plattform erneut anheizen.

Ob Discord langfristig seinem Anspruch treu bleibt, eine community-orientierte Alternative zu klassischen Social-Media-Plattformen zu sein, wird sich spätestens dann zeigen, wenn Investoren offiziell mit am Tisch sitzen.