Electronic Arts gehört offiziell einem Konsortium um Saudi-Arabien

Electronic Arts (EA) ist offiziell verkauft. Mit Abschluss der Übernahme im Wert von 55 Milliarden US-Dollar verschwindet der Publisher von der Börse und wird wieder zu einem privat geführten Unternehmen. Es handelt sich um die zweitgrößte Übernahme der Videospielgeschichte.

Das Käuferkonsortium besteht aus:

  • dem Saudi Public Investment Fund (PIF),
  • Silver Lake Partners,
  • sowie Affinity Partners, der Investmentfirma von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Saudi-Arabien hält den Großteil der Anteile

Auch wenn die Übernahme offiziell von einem Konsortium durchgeführt wurde, liegt die Kontrolle laut früheren Berichten überwiegend beim saudischen Staatsfonds.

Demnach hält der Public Investment Fund (PIF) nach Abschluss der Transaktion rund 93 Prozent von Electronic Arts.

Der PIF wird vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman kontrolliert und verwaltet Vermögenswerte in Höhe von mehreren hundert Milliarden US-Dollar. In den vergangenen Jahren investierte der Staatsfonds massiv in die Gaming-Branche und übernahm unter anderem Scopely, Niantic, SNK und das Fighting-Game-Turnier EVO. Außerdem hält der Fonds Beteiligungen an Unternehmen wie Nintendo und Take-Two Interactive.

Neue Eigentümer wollen in KI und Wachstum investieren

In einer offiziellen Mitteilung betonten alle drei Investoren, dass sie langfristig in Electronic Arts investieren möchten.

Jared Kushner erklärte, EA habe über Jahrzehnte hinweg Marken und Spieleserien geschaffen, die Millionen Menschen weltweit verbinden.

Auch Silver Lake kündigte an, künftig verstärkt in künstliche Intelligenz investieren zu wollen. KI soll sowohl die Spieleentwicklung als auch das Spielerlebnis verbessern und künftig eine größere Rolle innerhalb des Unternehmens einnehmen.

Sorgen um Transparenz und Studios

Mit dem Rückzug von der Börse entfällt künftig auch die Pflicht, regelmäßig Quartalszahlen und Geschäftsberichte zu veröffentlichen.

Dadurch wird deutlich schwieriger nachvollziehbar sein, wie sich Electronic Arts wirtschaftlich entwickelt oder welche Entscheidungen intern getroffen werden.

Bereits während der Verhandlungen äußerten Analysten Bedenken, dass die neue Eigentümerstruktur Sparmaßnahmen oder sogar Studioschließungen nach sich ziehen könnte. Besonders BioWare, das derzeit an Mass Effect und Dragon Age arbeitet, wurde dabei mehrfach als potenziell gefährdet genannt. Offizielle Pläne dazu gibt es bislang allerdings nicht.

Kritik wegen Menschenrechtslage

Die Übernahme sorgt außerdem aus politischen Gründen für erhebliche Diskussionen.

Saudi-Arabien steht seit Jahren wegen seiner Menschenrechtslage in der Kritik. Internationale Organisationen wie Amnesty International werfen dem Land unter anderem Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Diskriminierung von Frauen und LGBTQ+-Personen sowie den Einsatz der Todesstrafe in großem Umfang vor.

Vor diesem Hintergrund sehen viele Fans und auch einige Mitarbeiter die neue Eigentümerstruktur kritisch – insbesondere, weil EA mit Reihen wie Die Sims seit vielen Jahren für Diversität und LGBTQ+-Repräsentation bekannt ist.

Auch Jared Kushner steht im Fokus

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Übernahme durch die Beteiligung von Affinity Partners.

Die Investmentfirma gehört vollständig Jared Kushner. Ein Großteil ihres Kapitals stammt ausgerechnet vom saudischen Staatsfonds, der kurz nach Kushners Ausscheiden aus dem Weißen Haus rund zwei Milliarden US-Dollar in den Fonds investierte.

Kushner steht zudem wegen möglicher Interessenkonflikte im Zusammenhang mit seiner politischen Tätigkeit und seinen geschäftlichen Beziehungen unter Beobachtung der US-Justiz.

Ein neuer Abschnitt für Electronic Arts

Mit dem Abschluss der Übernahme beginnt für Electronic Arts eine neue Ära. Der Publisher befindet sich nun überwiegend im Besitz des saudischen Staatsfonds und muss sich künftig nicht mehr gegenüber Aktionären oder der Öffentlichkeit rechtfertigen.

Ob die neuen Eigentümer vor allem auf langfristiges Wachstum setzen oder tiefgreifende Veränderungen innerhalb des Unternehmens vornehmen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Sicher ist jedoch: Einer der größten Publisher der Spielebranche hat einen historischen Eigentümerwechsel vollzogen.