Ex-ESO-Chef äußert sich erstmals zur Einstellung von Project Blackbird – und bestätigt Zusammenhang mit seinem Abgang bei Microsoft

Fast ein halbes Jahr nach seinem überraschenden Abschied von ZeniMax Online Studios hat sich Matt Firor, Gründer des Studios und langjähriger Creative Director von The Elder Scrolls Online, erstmals öffentlich zur Einstellung von Project Blackbird geäußert. Dabei bestätigt er, was viele Fans und Branchenbeobachter bereits vermutet hatten: Die Absetzung des Projekts war der ausschlaggebende Grund für seinen Rücktritt.

In einem LinkedIn-Beitrag vom 1. Januar 2026, den Firor später auch auf Bluesky teilte, schreibt er offen, dass Project Blackbird das Spiel gewesen sei, auf das er seine gesamte Karriere hingearbeitet habe. Die Entscheidung, das Projekt einzustellen, habe letztlich zu seinem Weggang geführt.

„Project Blackbird war das Spiel, auf das ich meine gesamte Karriere hingearbeitet habe, und seine Einstellung führte zu meinem Rücktritt“, so Firor.
„Meine Gedanken sind bei den betroffenen Teammitgliedern – viele von ihnen habe ich über 20 Jahre begleitet. Es war eine der talentiertesten und engagiertesten Entwicklergruppen der Branche.“

Microsoft wird nicht direkt genannt – die Botschaft ist trotzdem eindeutig

Auffällig ist: Firor nennt Microsoft oder die Xbox-Führungsebene in seinem Statement nicht explizit. Dennoch gilt als gesichert, dass die Entscheidung im Zuge der umfassenden Entlassungswelle bei Microsoft im Sommer 2025 fiel, bei der auch Dutzende Mitarbeitende bei ZeniMax Online ihren Job verloren.

Microsoft hatte das Studio im Jahr 2021 im Rahmen der Bethesda-Übernahme übernommen. Dass ein Projekt dieser Größenordnung intern gestoppt wurde, sorgte damals bereits für Irritationen – nicht zuletzt, weil Project Blackbird offenbar intern sehr positiv aufgenommen wurde.

Ambitionierter Loot-Shooter mit MMO-Struktur

Laut einem Bericht von Bloomberg handelte es sich bei Project Blackbird um einen ambitionierten Loot-Shooter, der Gameplay-Elemente von Destiny mit einer futuristischen Blade-Runner-Ästhetik kombinieren sollte. Gleichzeitig war das Projekt stark von klassischen MMORPG-Strukturen geprägt – inklusive umfangreicher Questreihen und persistenter Online-Welt.

Besonders brisant: Microsoft-Gaming-CEO Phil Spencer soll im März 2025 selbst eine spielbare Version getestet haben und von dem Projekt sehr angetan gewesen sein. Umso überraschender kam später die Entscheidung, das Spiel dennoch einzustellen.

Neue Studios, alte Probleme

Ein Teil von Firors ehemaligen Kolleginnen und Kollegen reagierte auf die Entlassungen mit einem Neuanfang: Sie gründeten Sackbird Studios, ein unabhängiges Entwicklerteam, das bereits an einem neuen Multiplayer-Projekt arbeitet. In der Ankündigung betonte das Studio, man arbeite mit interner Finanzierung und voller kreativer Kontrolle, explizit „frei von Konzernkompromissen“.

Diese Formulierung wird in der Branche zunehmend als Seitenhieb auf Microsoft verstanden. Hintergrund sind Berichte, wonach Xbox-Studios zuletzt unter starkem wirtschaftlichem Druck standen. So sollen interne Teams angehalten worden sein, eine Gewinnmarge von rund 30 Prozent zu erreichen – trotz der Vorgabe, neue Spiele gleichzeitig im Game Pass zu veröffentlichen, wo sie faktisch ohne Direktverkauf verfügbar sind.

Ein weiteres Warnsignal für Xbox?

Der Fall Project Blackbird reiht sich ein in eine wachsende Liste eingestellter Projekte und prominenter Abgänge bei Microsofts Gaming-Sparte. Dass ausgerechnet ein langjähriger Studioleiter wie Matt Firor, der ESO über ein Jahrzehnt erfolgreich aufgebaut hat, das Unternehmen verlässt, wird von vielen als deutliches Signal gewertet.

Ob Microsoft langfristig von dieser strikten Kosten- und Profitlogik profitiert, bleibt offen. Klar ist jedoch: Für viele erfahrene Entwickler scheint der Preis inzwischen zu hoch zu sein.