Nur wenige Tage nachdem der „RuneScape“-Entwickler Jagex feierlich versprochen hatte, niemals generative KI für die Erstellung von Inhalten, Marketingmaterialien oder Merchandise zu nutzen, steht das Traditionsstudio mitten in einem ausgewachsenen PR-Desaster. Grund dafür ist ein neuer Cinematic-Trailer für die angekündigte Dragon Slayer 2-Quest in RuneScape 3, der im Rahmen der Hausmesse RuneFest 2026 gezeigt wurde – und vollgepackt mit offensichtlichen KI-Artefakten war.

Sechs Finger und Air Jordans im Mittelalter

Dem aufmerksamen Auge der Community entgingen die visuellen Patzer in der handgezeichnet wirkenden Animation nicht. Zu den eklatantesten Fehlern gehörten Charaktere mit sechs Fingern an einer Hand sowie Fantasy-Schuhwerk, das eine verblüffende Ähnlichkeit mit modernen Air-Jordan-Sneakern aufwies – klassische Fehltritte, wie sie typischerweise bei ungeprüften KI-Bildgeneratoren entstehen.

Da das Studio kurz zuvor betont hatte, dass generative KI bei Jagex keinen Platz habe, um menschliche Künstler zu ersetzen, entlud sich in den sozialen Netzwerken und Subreddits ein gewaltiger Shitstorm.

Das Statement von Jagex: Externe Partner in der Kritik

Nach dem lautstarken Protest zog Jagex den Trailer umgehend von allen Kanälen zurück und leitete eine interne Dringlichkeitsprüfung ein. In einer offiziellen Stellungnahme entschuldigte sich das Studio bei der Community und schob die Schuld auf eine externe Agentur:

„Dieser Trailer wurde von einem vertrauenswürdigen externen Partner produziert, der uns explizit zugesichert hatte, dass keine generative KI zum Einsatz kommt. Aber unter anderem gibt es da einen sechsten Finger – und das lässt sich schlichtweg nicht wegdiskutieren. Dafür entschuldigen wir uns.“

Besonders unangenehm für Jagex: Es ist bereits der zweite Vorfall dieser Art in kurzer Zeit. Erst vor wenigen Tagen geriet eine Merch-Kollaboration mit der E-Sport-Organisation 100 Thieves wegen KI-generierter Designs in die Kritik, was das Studio ebenfalls auf externe Partner zurückführte.

Konsequenzen und Einbindung der Community

Community-Manager Mod Sween räumte ein, dass das Problem nicht nur bei vertragsbrüchigen Agenturen liege, sondern ein klares Versagen der eigenen Qualitätskontrolle offenbare, da das Material ungeprüft freigegeben wurde.

Als direkte Konsequenz kündigte Jagex an, die internen Freigabeprozesse ab sofort drastisch zu überarbeiten. Um den Schaden wiedergutzumachen und die Geschichte der Dragon Slayer 2-Quest gebührend zu erzählen, will das Studio nun eng mit Künstlern aus der eigenen Community zusammenarbeiten und diese offiziell beauftragen.