Microsoft löscht Babyfotos eines Nutzers statt gehacktes Konto wiederherzustellen

Microsoft scheint derzeit wirklich keine Gelegenheit auszulassen, um sich bei Spielern unbeliebt zu machen. Nachdem das Unternehmen zuletzt mit Massenentlassungen, Studioschließungen und einer Reihe kontroverser Entscheidungen Schlagzeilen machte, sorgt nun ein anderer Vorfall für Empörung.

Diesmal geht es nicht um Entwickler oder Spiele, sondern um einen einzelnen Nutzer: Joshua Khane. Wie zuerst von IGN berichtet wurde, verlor Khane sein 25 Jahre altes Microsoft-Konto, nachdem dieses gehackt worden war.

Khane wandte sich an den Microsoft-Kundendienst und hoffte, dass das Unternehmen ihm helfen könnte, wieder Zugriff auf sein Konto zu erhalten. Laut seiner Aussage bestätigte Microsoft zunächst per E-Mail, dass er tatsächlich der rechtmäßige Besitzer des Accounts sei.

Doch die anschließende Antwort dürfte für ihn ein Schock gewesen sein: Microsoft erklärte, dass die Sicherheitsinformationen des Kontos verändert worden seien. Um die eigenen Richtlinien und die in den Nutzungsbedingungen festgelegten Sicherheitsprozesse einzuhalten, müsse das Konto deshalb dauerhaft und unwiderruflich gesperrt werden.

Damit waren 25 Jahre digitaler Erinnerungen praktisch verloren.

„25 verdammte Jahre an Daten, Tausende Euro für Spiele ausgegeben?? Die Babyfotos meines Sohnes? WEG!“, schrieb Khane auf X.

Besonders bitter ist dabei die Frage: Musste Microsoft wirklich das gesamte Konto inklusive digitaler Inhalte löschen?

Denn es gibt erst kürzlich Beispiele dafür, dass gehackte Konten durchaus wiederhergestellt werden können. Anfang dieses Monats verklagte ein Mann aus Brasilien Microsoft, nachdem das Unternehmen ihm mitgeteilt hatte, dass sein gehacktes Konto nicht zurückgebracht werden könne und er seine verlorenen Spiele einfach erneut kaufen solle.

Der Mann gewann den Rechtsstreit. Microsoft wurde dazu verpflichtet, sein Konto wiederherzustellen – allerdings ist derzeit unklar, ob dies bereits tatsächlich geschehen ist.

Zwar gelten in Brasilien strengere Verbraucherschutzgesetze als in vielen anderen Ländern, dennoch wirkt die Situation wie ein vermeidbarer Imageschaden für Microsoft. Gerade angesichts der Tatsache, dass eine Wiederherstellung offenbar in bestimmten Fällen möglich ist, stellt sich die Frage, warum das Unternehmen Nutzer lieber vollständig aus ihrem digitalen Besitz aussperrt.

Nach der öffentlichen Kritik auf X reagierte Microsoft schließlich auf Khane. Das Unternehmen entschuldigte sich für die Löschung und erklärte, dass man daran arbeite, ihm wieder Zugriff auf seine gekauften Inhalte zu ermöglichen.

Bleibt nur zu hoffen, dass Khane nicht nur seine Spielebibliothek zurückbekommt, sondern auch die persönlichen Erinnerungen, die deutlich wertvoller sind: die Babyfotos seines Sohnes.