Epomaker ist der Mechanical-Keyboard-Community eigentlich für hochgradig anpassbare Tastaturen bekannt. Mit dem Epomaker GX1 wagt der Zubehörspezialist nun den Schritt in den Headset-Markt. Das Paket aus kabelloser Tri-Mode-Konnektivität, überraschend starker Sound-Performance und fairer Bepreisung (ca. 50 bis 60 Euro) klingt auf dem Papier extrem attraktiv. Im Praxistest zeigt sich jedoch ein durchwachsenes Bild bei Ergonomie und Bauform.

Soundqualität: Überraschend stark und knackig

Wenn das Epomaker GX1 in einer Kategorie absolut überzeugen kann, dann ist es der Klang: Der Sound ist für diese Preisklasse wirklich sehr gut.

Die verbauten 50-mm-Treiber liefern ein extrem kräftiges, klares und dynamisches Klangbild. Bässe haben ordentlich Punch, ohne die Mitten zu erdrücken, und Details wie Schritte, Nachlade-Geräusche in Shootern oder Instrumente bei der Musikwiedergabe lassen sich präzise verorten. Wer im Equalizer der Software noch minimal nachjustiert, bekommt ein akustisches Ergebnis geliefert, das sich vor deutlich teureren Gaming-Headsets bekannter Marken keineswegs verstecken muss.

Sound-Gefühl: Ein Open-Back, das sich wie ein Closed-Back verhält

Obwohl das GX1 durch die gitterartige Optik an den Hörmuscheln als Open-Back-Headset vermarktet wird, unterscheidet sich das tatsächliche Trage- und Sounderlebnis spürbar von typischen offenen Kopfhörern.

In der Praxis verhält sich das Headset überraschend stark wie ein klassisches Closed-Back-Modell. Das gewohnte, extrem breite, luftige und räumliche Gefühl eines echten Open-Backs stellt sich nicht so recht ein. Stattdessen wirkt das Klangbild direkter und kompakter. Das verleiht dem Sound zwar gut spürbaren Druck, die offene Bauweise wirkt dadurch optisch aber eher wie Schein als Sein. Auch Umgebungsgeräusche werden deutlich stärker abgeschirmt, als man es von einem echten Open-Back erwarten würde.

Ergonomie & Tragekomfort: Gemütliche Polsterung, aber schmerzhafter Druck am Ohr

Beim ersten Auspacken punktet das GX1 bei den Materialien: Die Polsterung ist richtig gut gelungen, weich und extrem gemütlich. Der Stoffüberzug fühlt sich angenehm an und verhindert unnötiges Schwitzen.

Im Langzeittest offenbart das Headset bei der Passform jedoch seine größte Schwachstelle: Die Form der Hörmuscheln drückt spürbar auf die Ränder der Ohren. Obwohl ich von mir nicht behaupten würde, besonders große Ohren zu haben, liegt der Innenrand der Muscheln unglücklich an den Ohrmuschel-Rändern auf. Während die ersten 20 bis 30 Minuten noch angenehm bleiben, wird dieser punktuelle Druck auf Dauer richtig unbequem und nach längeren Gaming-Sessions sogar schmerzhaft. Hier fehlt den Hörmuscheln im Inneren schlicht etwas mehr Tiefe und Raum.

Konnektivität, Mikrofon & Akkulaufzeit

Bei den Anschlüssen gibt sich das Headset gewohnt vielseitig:

  • 2,4-GHz-USB-C-Dongle: Liefert eine schnelle, verzögerungsfreie Verbindung am PC und der PlayStation.

  • Bluetooth & Kabel: Bluetooth reicht für den unkomplizierten Einsatz am Smartphone, während der Kabelbetrieb als Notfalloption dient (für Xbox-Spieler ist Kabel die einzige Option).

Das abnehmbare Schwanenhals-Mikrofon mit Umgebungsgeräusch-Unterdrückung (ENC) leistet solide Arbeit. Die eigene Stimme kommt im Discord oder Teamspeak klar und verständlich rüber, während leises Tastaturklappern verlässlich herausgefiltert wird.

Ein echtes Highlight ist der Akku: Ohne die RGB-Beleuchtung an den Außenseiten hält das Headset extrem lange durch (bis zu 70 Stunden laut Hersteller) – im Alltag muss man es nur sehr selten an die Steckdose hängen.

Praxis-Fakten auf einen Blick

  • Klangqualität: Der Sound ist durchweg sehr gut – druckvoll, detailreich und präzise in der Ortung.

  • Sound-Verhalt: Vermarktet als Open-Back, fühlt und hört sich im Alltag jedoch eher wie ein isolierendes Closed-Back-Headset an.

  • Tragekomfort: Sehr gute, gemütliche Polsterung, aber durch die Form der Hörmuscheln entsteht auf Dauer unangenehmer Druck auf die Ohrenränder (auch bei normalen Ohrgrößen).

  • Verbindung & Latenz: Tri-Mode (2,4 GHz Dongle, Bluetooth, Kabel); schnelle Verbindung ohne spürbare Latenzen im Funkbetrieb.

  • Akkulaufzeit: Extrem ausdauernd (bis zu 70 Std. ohne RGB).

Das Epomaker GX1 liefert klanglich richtig stark ab und bietet für rund 50 bis 60 Euro hervorragenden Sound, eine tolle Polsterung und lange Akkulaufzeiten. Wer jedoch empfindliche Ohren hat, sollte bedenken, dass die Gehäuseform auf Dauer Druck auf die Ohrenränder ausübt.