In einem Interview mit dem Magazin Vanity Fair geriet OpenAI-CEO Sam Altman bezüglich der Verantwortung von Künstlicher Intelligenz spürbar unter Druck. Als Journalist Mark Guiducci das Thema tragischer Suizidfälle im Zusammenhang mit der Nutzung von ChatGPT ansprach, griff das PR-Team des Tech-Konzerns schroff ein, um das Gespräch vorzeitig umzulenken. Der Vorfall offenbart nicht nur nervöse Ausweichmanöver der Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch die Hilflosigkeit der Konzerne im Umgang mit den Schattenseiten generativer KI.

Intervention in letzter Minute

Während des Gesprächs lenkte Guiducci die Aufmerksamkeit auf die Journalistin Laura Reiley, die in der New York Times einen emotionalen Essay veröffentlicht hatte. Darin beschrieb sie, wie ihre Tochter nach intensiven Dialogen mit ChatGPT Suizid beging. Auf die direkte Frage des Reporters, ob Altman von diesem Fall wisse, antwortete der OpenAI-Gründer knapp mit: „Nein.“

Noch bevor der Journalist den Hintergrund genauer ausführen konnte, schaltete sich eine OpenAI-Pressesprecherin aus dem Hintergrund ein. Mit dem Einwand, dass nur noch zwei Minuten Verhandlungszeit blieben und diese laut Vereinbarung für die „Zukunft des Unternehmens“ reserviert seien, versuchte das PR-Team vehement, die Frage abzuwürgen.

Keine befriedigenden Antworten und ein skurriler Ausklang

Zwar gestattete Altman dem Reporter entgegen dem Drängen seiner Pressesprecherin, die Frage zu Ende zu führen und die Zeit leicht zu überziehen, blieb eine inhaltlich befriedigende oder empathische Antwort auf das Problem jedoch schuldig. Auf die komplexen Fragen zu Sicherheitsvorkehrungen bei mentalen Krisen und der Verantwortung von Sprachmodellen hatte der Tech-Pionier keine greifbaren Lösungsansätze parat.

Einen bizarren Schlusspunkt fand dieser Interview-Block schließlich in einem schnellen Wortassoziationsspiel des Reporters. Auf den vom Journalisten eingeworfenen Begriff „Donald Trump“ entgegnete Altman ohne Zögern schlicht mit: „Mächtig“ („Powerful“).

Der Vorfall befeuerte die Debatte in den Medien rasch aufs Neue. Er verdeutlicht die wachsenden Bedenken hinsichtlich KI-Systemen, die von Nutzern fälschlicherweise als Therapeuten oder emotionale Stützen verwendet werden, und unterstreicht die verheerenden Folgen mangelnder Schutzmechanismen.