AI-Boom sorgt für PC-Knappheit – japanischer Händler bittet Kunden um alte Gaming-PCs

Der aktuelle KI-Hype beginnt spürbar auf dem klassischen PC-Markt durchzuschlagen. In Japan hat ein großer Elektronikhändler öffentlich darum gebeten, dass Kundinnen und Kunden ihm ihre alten Gaming-PCs verkaufen – weil neue Geräte und Komponenten kaum noch verfügbar sind.

Konkret geht es um Sofmap Gaming, einen bekannten Shop im Akihabara-Viertel von Tokio. Auf X (ehemals Twitter) veröffentlichte das Unternehmen Anfang Januar einen ungewöhnlich offenen Hilferuf: Wer sich einen neuen PC kaufe, möge bitte seinen alten Rechner an Sofmap verkaufen – man zahle aktuell besonders gute Preise. Laut dem Shop seien selbst gebrauchte Gaming-PCs kaum noch auf Lager.

Ein Foto im Post zeigt nahezu leere Regale mit nur noch wenigen Systemen und Monitoren. Gleichzeitig beantwortet der Shop nahezu jede Anfrage von Nutzern, die wissen wollen, ob ihr alter PC noch etwas wert ist – ein ungewöhnlicher, fast schon verzweifelter Umgang für einen großen Elektronikhändler.

Warum fehlen plötzlich PCs und RAM?

Der Hintergrund ist nicht Japan-spezifisch, sondern ein globales Problem: Großkonzerne aus dem KI-Bereich kaufen aktuell riesige Mengen an Hardware auf. Vor allem Arbeitsspeicher, GPUs und andere für Rechenzentren relevante Komponenten werden von sogenannten Hyperscalern in Massen aufgekauft, um neue KI-Cluster zu bauen.

Hersteller wie Micron haben begonnen, einen immer größeren Teil ihrer Produktion direkt an Großkunden zu liefern – anstatt an den klassischen Retail-Markt. Für normale PC-Spieler bedeutet das: weniger Ware, höhere Preise und längere Wartezeiten. Besonders RAM ist davon stark betroffen, aber auch Grafikkarten werden wieder knapper.

Zusätzlich kommen geopolitische Faktoren wie Zölle und Lieferkettenprobleme dazu. Das alles führt dazu, dass fertige PCs von Herstellern wie HP, Dell oder ASUS laut Branchenbeobachtern um 15 bis 20 Prozent teurer werden könnten – während gleichzeitig weniger Geräte im Handel stehen.

Gebrauchtmarkt wird plötzlich wertvoll

Dass ein Händler wie Sofmap nun öffentlich um alte PCs bittet, zeigt, wie ernst die Lage ist. Normalerweise leben Shops davon, Neuware zu verkaufen – nicht davon, gebrauchte Rechner von Privatpersonen einzusammeln. Doch aktuell sind selbst Second-Hand-Systeme gefragt, weil sie wenigstens noch GPUs und RAM enthalten, die sich weiterverkaufen oder ausschlachten lassen.

Experten gehen davon aus, dass der Druck auf den Hardwaremarkt nicht nur 2026, sondern auch 2027 anhalten wird. Der KI-Boom ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine strukturelle Verschiebung der Nachfrage: Serverfarmen bringen Herstellern schlicht mehr Geld als Gamer.

Was heißt das für PC-Spieler?

Für PC-Gaming ist das eine schlechte Nachricht. Aufrüsten wird teurer, Neusysteme werden knapper und der Gebrauchtmarkt zieht an. Wer noch alte Hardware herumliegen hat, könnte damit tatsächlich bald gutes Geld verdienen – nicht, weil sie so toll ist, sondern weil alles andere fehlt.