Deadpool sprengt in Marvel Rivals die Spielregeln.

Deadpool kommt zu Marvel Rivals, und wie es sich für den wohl selbstironischsten Marvel-Charakter gehört, ignoriert er dabei ziemlich konsequent die Regeln, auf denen der Hero-Shooter bisher aufgebaut war. Zwar ist schon viel darüber gesprochen worden, dass er als erster „Flex-Held“ zwischen Tank, Damage und Support wechseln kann. Interessanter, und für das Spiel langfristig deutlich spannender, ist aber etwas anderes: NetEase hat Deadpools Meta-Humor direkt in sein Gameplay eingebaut.

Im bisherigen Roster ist jeder Held klar lesbar: Animationen, Effekte und Silhouetten verraten ziemlich eindeutig, was gerade passiert. Deadpool bricht das bewusst. Seine Bewegungen sind hektischer, seine Effekte voller Comic-Overlays, Panels und visueller Gags. Für Gegner ist er dadurch deutlich schwerer einzuschätzen – was nicht nur thematisch passt, sondern auch spielerisch neue Probleme aufwirft.

Ein Charakter, der das Interface angreift

Besonders auffällig ist, wie Deadpools Progression umgesetzt wurde. Statt ein klassisches Talentmenü zu öffnen, blättert er während der Partie in einem Marvel-Comic, über den man seine Upgrades auswählt. Je nachdem, ob er gerade als Tank, DPS oder Support spielt, bekommt er unterschiedliche Buffs. Damit wird nicht nur seine Vielseitigkeit abgebildet – das Spiel selbst wird zur Comic-Seite, auf der Deadpool aktiv herumfuhrwerkt.

Noch radikaler sind seine Fourth-Wall-Break-Fähigkeiten. Eine davon blendet auf dem Bildschirm des Gegners ein kleines „Streamer-Fenster“ von Deadpool ein, das den Spieler mit einem Hammer attackiert. Ob das ein kurzzeitiger Debuff ist oder gezielt ausweichbar, ist noch nicht ganz klar – aber genau das ist der Punkt: Deadpool greift nicht nur die Spielfigur an, sondern direkt die Wahrnehmung des Spielers.

Clever, aber auch gefährlich fürs Balancing

Das ist kreativ, aber auch riskant. In einem kompetitiven Hero-Shooter ist Lesbarkeit extrem wichtig. Wenn Effekte absichtlich verwirren, UI-Elemente manipuliert werden und visuelle Gags das Geschehen überlagern, kann das schnell von „witzig“ zu „frustrierend“ kippen – vor allem im Ranked-Modus.

Und dann ist da noch der Rollenwechsel. Deadpool kann in einer Partie von Support zu Damage oder Tank wechseln und bekommt dafür jeweils passende Buffs. Laut Trailer wirkt er in allen drei Varianten ziemlich stark – vielleicht zu stark. Sollte NetEase hier nicht sauber nachjustieren, könnte Deadpool weniger als kreative Ausnahme und mehr als Pflichtpick enden.

Start in Season 6

Deadpool wird mit Season 6 am 16. Januar zu Marvel Rivals stoßen. Ob er das Spiel erfrischt oder das Meta komplett zerlegt, wird sich schnell zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Das hier ist kein normaler neuer Held – sondern ein bewusster Versuch, die Grenzen dessen, was ein Hero-Shooter sein darf, zu verschieben.