Erst eine Xbox-Showcase ermöglicht seltenen Blick hinter die Kulissen der Pokémon-Macher

Wir leben längst in einer Post-Plattform-Ära. Xbox, PlayStation und Nintendo behandeln sich nicht mehr wie erbitterte Erzfeinde in ihren Marketingkampagnen. Während sich Konsolenkrieger in Kommentarspalten noch immer bekämpfen, ist die Realität eine andere: Halo erscheint auf PlayStation – der Konsolenkrieg ist vorbei.

Das sorgt nicht nur dafür, dass Spiele heute auf deutlich mehr Plattformen erscheinen als früher, sondern auch für Momente, die sich beinahe surreal anfühlen. Einer davon ereignete sich diese Woche, als Pokémon-Entwickler Game Freak plötzlich Teil einer Xbox-Showcase war – inklusive eines seltenen Blicks in das Studio, das Pikachu erschaffen hat.

Ein seltener Rundgang durch Game Freaks Büro

Game Freak hat seinen Hauptsitz seit 2020 im Kanda Square in Tokio, im selben Gebäudekomplex wie Nintendo selbst. Seitdem gab es kaum Einblicke in die Arbeitsräume des traditionell sehr verschlossenen Studios.

Während der Präsentation des neuen Action-RPGs Beast of Reincarnation zeigte Xbox nun überraschend Aufnahmen aus genau diesen Büros. Mehrfach fiel dabei sogar der Name Pokémon, während im Hintergrund Entwickler an ihren Arbeitsplätzen zu sehen waren.

Ein Teil der Räume wirkt dabei recht gewöhnlich: Schreibtische, Rechner, Concept Art an den Wänden – nichts Ungewöhnliches für ein modernes Spiele-Studio. Andere Bereiche hingegen fallen deutlich aus dem Rahmen. So ist ein Raum vollständig mit künstlichen Bäumen gestaltet und erinnert stark an den Vertania-Wald (Viridian Forest) aus den frühen Pokémon-Spielen.

Kaum Pokémon zu sehen – mit Absicht?

Trotz der offensichtlichen Anspielungen sucht man bekannte Pokémon-Motive allerdings fast vergeblich. In den gezeigten Szenen tauchen weder Pikachu noch Pokébälle oder andere ikonische Symbole auf.

Das wirkt beinahe wie eine bewusste Entscheidung. Zwar ist nachvollziehbar, dass keine aktuellen Pokémon-Projekte gezeigt werden, doch selbst kleine visuelle Referenzen fehlen vollständig. Möglicherweise wollte Game Freak vermeiden, dass die Aufmerksamkeit von Beast of Reincarnation abgelenkt wird.

Passend ist die Waldkulisse dennoch: Das neue Spiel spielt in einem postapokalyptischen Fantasy-Japan, in dem sich die Natur große Teile der Welt zurückerobert hat – thematisch also gar nicht so weit entfernt von der berühmten Pokémon-Region Kanto.

Ein ungewöhnlicher Auftritt auf Xbox-Bühne

So oder so bleibt es ein kurioser Moment: Ein sonst extrem zurückhaltendes Nintendo-nahes Studio gewährt ausgerechnet während einer Xbox-Präsentation einen so intimen Einblick in seine Arbeitswelt.

Ein Pokémon-Spiel auf Xbox ist dadurch zwar noch lange nicht in Sicht – trotz immer weiter fallender Plattformgrenzen. Doch allein der Umstand, Game Freak in diesem Kontext zu sehen, zeigt, wie sehr sich die Spielebranche in den letzten Jahren verändert hat.

Schade nur, dass Pikachu keinen kurzen Gastauftritt hatte.