Game Freak reagiert auf berechtigte Sorgen zur Technik seines neuen Nicht-Pokémon-RPGs

Während des Xbox Developer Direct hat Game Freak erstmals ausführlich Gameplay zu seinem neuen Action-RPG Beast of Reincarnation gezeigt. Das Spiel hinterließ dabei einen überraschend starken Eindruck – sowohl optisch als auch technisch. Und genau das sorgt bei vielen Fans für Skepsis.

Denn Game Freak ist in erster Linie als Entwickler der Pokémon-Reihe bekannt. Vor allem die jüngsten Switch-Titel wie Pokémon Karmesin & Purpur oder Legenden: Arceus standen massiv in der Kritik: schwache Performance, instabile Framerates, technische Fehler und eine Präsentation, die selbst für Switch-Verhältnisse deutlich hinter den Erwartungen lag.

Entsprechend stellt sich nun eine naheliegende Frage:
Wie kann Beast of Reincarnation plötzlich so gut aussehen – und wird das Spiel am Ende unter denselben Problemen leiden?

Game Director nimmt Stellung

IGN stellte diese Frage direkt an Kota Furushima, den Game Director von Beast of Reincarnation. Seine Antwort dürfte für Hoffnung sorgen – wirkt gleichzeitig aber auch wie eine indirekte Spitze gegen die Pokémon-Reihe.

IGN:
Game Freak wurde in den letzten Jahren häufig für Performance- und Grafikprobleme seiner 3D-Spiele kritisiert. Beast of Reincarnation wirkt dagegen sehr ambitioniert. Was sagen Sie Spielern, die befürchten, dass es ähnliche technische Schwierigkeiten geben könnte?

Kota Furushima:
Wenn es um Beast of Reincarnation geht – und um den Umfang und die Ambitionen des Projekts – dann gehen wir beim Design nicht mit dem Ziel heran, ein Spiel mit einer bestimmten technischen Qualitätsstufe zu bauen.

Unser Ziel ist es, ein sehr spezifisches Spielerlebnis zu erschaffen. Visuelle Qualität und Grafik dienen diesem Erlebnis. Dazu gehören auch Dinge wie Bugfixes und Optimierung. Alles existiert, um das Gameplay und die Erfahrung zu unterstützen.

Natürlich ist eine gute Performance wichtig, aber unser Hauptfokus liegt darauf, unsere Vision so umzusetzen, dass sie bei den Spielern ankommt – in ihren Händen und in ihren Herzen.

Eine unbequeme Botschaft für Pokémon?

Zwischen den Zeilen lässt sich hier einiges herauslesen. Die implizite Aussage wirkt fast so, als seien Pokémon-Spiele nicht jene Art von „spezifischem Spielerlebnis“, für das umfangreiche Optimierung und technische Sorgfalt zwingend notwendig seien.

Das erinnert stark an ein bekanntes Argument aus der Community:
„Pokémon spielt man nicht wegen der Grafik.“

Ein Satz, der oft als Rechtfertigung für technische Schwächen dient – obwohl selbst einfache visuelle Ansprüche nicht zwangsläufig schlechte Performance bedeuten müssten. Kritiker merken seit Jahren an, dass Pokémon-Titel teils auf dem Niveau von GameCube-Spielen wirken, ohne technisch stabil zu laufen.

Großes Projekt, kleines Kernteam

Im weiteren Verlauf des Interviews sprach IGN auch die Größe des Entwicklerteams an. Game Freak gilt als vergleichsweise kleines Studio, arbeitet aber parallel dauerhaft an Pokémon-Projekten.

Furushima erklärte dazu:

- Das Gesamtteam über mehrere Studios hinweg sei „ziemlich groß“

- Das interne Game-Freak-Kernteam sei hingegen „relativ klein“

- Die interne Mannschaft übernehme vor allem Creative Direction und Projektleitung

Ein Großteil der Entwicklungsarbeit werde von externen Partnerstudios übernommen:

„Wir haben viele externe Studios gefunden, die unsere Vision so umsetzen können, wie wir uns das vorstellen. Deshalb arbeiten sehr viele Menschen außerhalb von Game Freak an diesem Projekt.“

Bedeutet das bessere Technik?

Genau dieser Punkt könnte entscheidend sein. Während Pokémon-Spiele größtenteils intern entstehen – unter hohem Zeitdruck und mit festen Release-Zyklen – scheint Beast of Reincarnation deutlich stärker auf externe Expertise zu setzen.

Das könnte erklären, warum das Spiel:

- technisch moderner wirkt

- deutlich stabiler läuft

- visuell auf Augenhöhe mit aktuellen PS5- und Xbox-Titeln zu sein scheint

Ob diese Qualität irgendwann auch auf Pokémon abstrahlt, bleibt offen.

Release im Sommer

Beast of Reincarnation erscheint im Sommer 2026 für:

- PC

- PlayStation 5

- Xbox Series X|S

Ob das Spiel tatsächlich hält, was der erste Eindruck verspricht, wird sich erst zum Release zeigen. Klar ist aber schon jetzt:
Game Freak liefert hier ein Projekt ab, das technisch deutlich ambitionierter wirkt als alles, was man zuletzt vom Studio gesehen hat – und das wirft zwangsläufig Fragen zur Zukunft von Pokémon auf.