KI-Manga stürmt die Charts – und stellt Japans Comicbranche vor ein echtes Problem

Das Jahr 2026 ist keine Woche alt, da sorgt ein ungewöhnlicher Bestseller in Japan bereits für heftige Diskussionen: Ein Manga, der größtenteils mit KI generiert wurde, gehört aktuell zu den meistverkauften Titeln des Landes. Und das nicht in einer Nische, sondern auf einer der wichtigsten Plattformen überhaupt.

Wie das japanische Gaming- und Tech-Medium Automaton berichtet, führt der vierbändige Titel „My Dear Wife, Will You Be My Lover?“ derzeit die Young-Adult-Charts von Comic CmoA an – Japans größtem digitalen Manga-Store. In der Gesamtrangliste liegt das Werk auf Platz 9. Veröffentlicht wurde die Reihe von Studio Zoon, die Inhalte stammen von einem Autor namens Mamaya. Erzählt wird eine recht klassische Geschichte: Ein Ehepaar mittleren Alters versucht, seine eingeschlafene Beziehung und Sexualität wiederzubeleben.

Das wirklich Brisante daran: In der offiziellen Produktbeschreibung steht offen, dass die Illustrationen mit KI erzeugt wurden. Kein Verstecken, kein Kleingedrucktes – der Manga ist explizit als KI-Werk gekennzeichnet. Und trotzdem verkauft er sich hervorragend.

Inhaltlich schwach, kommerziell stark

Das ist umso bemerkenswerter, weil die Leserbewertungen alles andere als euphorisch ausfallen. Viele Rezensenten beschreiben die Geschichte als langweilig, die Dialoge als unnötig langatmig und die Zeichnungen als billig und austauschbar. Mehrfach wird kritisiert, dass Figuren kopiert wirken und Panels sich ähneln. Die wenigen erotischen Szenen gelten als die einzigen echten Highlights – und selbst davon gebe es zu wenige.

Trotzdem kommt der Manga auf eine Durchschnittsbewertung von 3,1 Sternen. Zum Vergleich: Die anderen Top-Titel in der gleichen Kategorie liegen bei 3,8 bis über 4 Sternen – verkaufen sich aber schlechter. Qualität scheint also gerade nicht der entscheidende Faktor zu sein.

Leser kaufen – Künstler bekommen Angst

Ein Teil der Community reagiert entsprechend wütend. Einige Leser fordern sogar einen Boykott von Comic CmoA, weil der Store KI-Manga überhaupt zulässt. Doch die Verkaufszahlen zeigen: Die Mehrheit der Käufer scheint sich daran nicht zu stören – oder kauft aus Neugier.

Das bereitet vielen Kreativen große Sorgen. Der bekannte Manga-Autor und Editor Kazuaki Ishibashi, der unter anderem an Mob Psycho 100 und The World Only God Knows gearbeitet hat, brachte es auf X auf den Punkt: Vielleicht seien es nur noch die Schaffenden selbst, die Angst vor dieser Entwicklung hätten. Für ihn sieht es so aus, als stünde die Branche kurz vor einer Welle von KI-Produktionen.

Ein Vorgeschmack auf die Zukunft?

Der Erfolg von „My Dear Wife, Will You Be My Lover?“ zeigt vor allem eines:
KI-Content muss nicht gut sein, um erfolgreich zu sein – er muss nur billig, schnell und massentauglich sein. Für Plattformen wie Comic CmoA ist das wirtschaftlich verlockend. Für Zeichner, Texter und Redakteure ist es ein Albtraum.

Wenn selbst schwach bewertete KI-Manga die Bestsellerlisten dominieren, steht die japanische Comicindustrie vor einer unbequemen Frage:
Will sie weiterhin auf menschliche Kreativität setzen – oder auf Algorithmen, die schneller und billiger liefern, egal wie austauschbar das Ergebnis ist?