Bei Microsofts Vorzeige-Abonnement bahnt sich die womöglich tiefgreifendste Transformation seit seinem Start an: Xbox Game Pass steht Berichten zufolge vor einer umfassenden Neuausrichtung. Nachdem der Dienst bereits zuvor den Day-One-Zugang zu Call of Duty gegen eine Preissenkung eingetauscht hatte, plant der Konzern nun, das gesamte Konzept der Spiele-Flatrate grundlegend aufzubrechen.

Wie ein Bericht des US-Wirtschaftsmagazins Fortune offenbart, will Xbox-Chefin Asha Sharma den Game Pass vom bisherigen Festpreis-Buffet in ein modulares „À la carte“-System verwandeln.

Das Baukasten-Prinzip: Zahlen nur für das, was genutzt wird

Kern der geplanten Reform ist eine Abkehr von der klassischen Alles-in-einem-Struktur. Zwar soll der Game Pass weiterhin in verschiedenen Grundstufen angeboten werden, Abonnenten sollen künftig jedoch gezielt auswählen können, für welche Zusatzbausteine sie monatlich bezahlen.

Zu den modular buchbaren Optionen zählen unter anderem:

  • Cloud-Gaming: Zugriff auf Spiele-Streams abseits lokaler Hardware.

  • Multiplayer-Zugang: Das klassische Online-Spielen auf Konsolen.

  • Reine Konsolen-Inhalte: Bibliotheken, die ausschließlich auf Xbox-Hardware beschränkt sind.

Hintergrund dieser Strategie ist das Bestreben, die explodierenden Betriebskosten im Zaum zu halten und gleichzeitig neue Zielgruppen anzusprechen. Wer bestimmte Funktionen nicht nutzt, soll diese abwählen können, während Vielnutzer für ressourcenintensive Dienste wie Cloud-Streaming zur Kasse gebeten werden. Dieser modulare Ansatz fügt sich nahtlos in Microsofts jüngste Tests einer werbefinanzierten Basis-Stufe ein, mit der die Einstiegshürde für Gelegenheitsspieler gesenkt werden soll.

Das schleichende Ende der First-Party-Garantie

Branchenbeobachter werten die Umstrukturierung zudem als Vorboten eines weiteren, unausweichlichen Schritts: die endgültige Abkehr von der bisherigen Garantie, alle hauseigenen Xbox-Blockbuster direkt an Tag eins ohne Aufpreis im Abo anzubieten.

Diesen Kurswechsel deutet Microsoft bereits seit geraumer Zeit an. Mit sogenannten Premium Edition Upgrades verlangt das Unternehmen von Game-Pass-Nutzern regelmäßig 30 US-Dollar extra, wenn diese ein Spiel vorab im Early Access spielen wollen – Tage bevor der Titel regulär im Abonnement freigeschaltet wird. Ein vollständiger Abschied von Day-One-Starts für First-Party-Spiele im Basis-Abo scheint der nächste logische Schritt zu sein, um die Wirtschaftlichkeit großer Eigenproduktionen zu sichern.

Das 35-Millionen-Plateau zwingt zum Umdenken

Der Druck auf die Xbox-Sparte ist das Resultat verfehlter Wachstumsziele. Geleakte interne Dokumente zeigten in der Vergangenheit, dass Microsoft ursprünglich die Marke von über 100 Millionen Abonnenten anpeilte. Tatsächlich stagnierte das Wachstum des Game Pass zuletzt bei rund 35 Millionen Nutzern. Mit dem Ausbleiben der erhofften Zuwächse geriet das gesamte Kalkül hinter Microsofts aktueller Konsolengeneration ins Wanken.

Die Zeit für die Umsetzung der Reformen drängt: Die nächste große Welle hauseigener Xbox-Schwergewichte rollt im Februar 2027 mit dem Release von Fable an. Es gilt als wahrscheinlich, dass Microsoft die Umstellung des Game Pass auf das neue Baukastensystem noch vor diesem Veröffentlichungsfenster vollzieht, um das eigene Flaggschiff-Abo auf ein tragfähiges Fundament für die kommenden Jahre zu stellen.