Rockstar äußert sich zu entlassenen GTA-6-Entwicklern und Gewerkschaftsvorwürfen

Im Streit um entlassene Entwickler von Grand Theft Auto 6 hat sich Rockstar Games erstmals ausführlicher zu den Vorwürfen geäußert, die Kündigungen hätten mit gewerkschaftlicher Organisierung zu tun. Wie IGN berichtet, wurden diese Woche vor einem Arbeitsgericht Aussagen beider Seiten gehört – sowohl von Rockstar als auch von der Gewerkschaft IWGB (Independent Workers’ Union of Great Britain).

Im Zentrum des Falls steht ein Discord-Server, den Entwickler vor ihrer Entlassung genutzt hatten. Laut Rockstar war dieser Kanal keineswegs ein rein internes oder ausschließlich gewerkschaftlich genutztes Kommunikationsmedium. In einer Stellungnahme gegenüber IGN erklärte das Unternehmen, der Server habe „mindestens 25 Nicht-Rockstar-Mitarbeiter“ enthalten, darunter Angestellte konkurrierender Studios, einen Journalisten aus der Videospielbranche sowie zahlreiche anonyme und nicht identifizierbare Personen.

Rockstar widerspricht Gewerkschaftsdarstellung

Während die IWGB behauptet, in dem Discord-Server seien ausschließlich gewerkschaftliche Themen besprochen worden, widerspricht Rockstar dieser Darstellung deutlich. Das Unternehmen hält daran fest, dass dort auch vertrauliche Informationen und potenzielle Inhalte aus der Spieleentwicklung diskutiert oder weitergegeben worden seien.

„Wir bedauern, dass diese Entlassungen notwendig waren; jedoch ist Vertraulichkeit grundlegend für alles, was Rockstar Games tut“, heißt es in der neuen Stellungnahme. Weiter betont das Studio, dass das weltweite Interesse an seinen Spielen beispiellos sei – was die Sensibilität selbst kleinster Informationslecks zusätzlich erhöhe.

Rockstar verweist dabei auch auf frühere Vorfälle, bei denen Leaks erheblichen Schaden angerichtet hätten. „Selbst kleinste unautorisierte Veröffentlichungen zu unseren Produkten oder Arbeitsprozessen können massive kommerzielle und kreative Schäden verursachen“, so das Unternehmen. Dies schade nicht nur der Entwicklung, sondern auch dem Erlebnis der Spieler und der Arbeit des restlichen Teams.

Keine Entlassungen wegen Gewerkschaftszugehörigkeit?

Ein zentraler Punkt in Rockstars Argumentation: Die Kündigungen seien nicht wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten erfolgt. Laut dem Unternehmen seien Mitarbeiter, die sich gewerkschaftsfreundlich geäußert hätten, aber keine internen Richtlinien verletzt hätten, nicht entlassen worden.

„Das hatte niemals etwas mit Gewerkschaftsmitgliedschaft zu tun“, erklärt Rockstar. Stattdessen habe man seit jeher eine Null-Toleranz-Politik gegenüber unautorisierten Informationsweitergaben, an der man auch künftig festhalten werde.

Entscheidung steht noch aus

Wie das Arbeitsgericht den Fall letztlich bewerten wird, ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch: Der Konflikt wirft erneut ein Schlaglicht auf die Spannungen zwischen großen Publishern und zunehmenden Gewerkschaftsbestrebungen in der Spieleindustrie – insbesondere bei extrem abgeschotteten Großprojekten wie GTA 6, bei denen Geheimhaltung eine zentrale Rolle spielt.

Ob die Entlassungen als legitime Maßnahme zum Schutz vertraulicher Inhalte oder als Abschreckung gegenüber gewerkschaftlicher Organisation gewertet werden, dürfte entscheidend für den weiteren Verlauf des Verfahrens sein.