Zungen-Akrobatik für Masochisten: Croak kombiniert Hollow Knight und Cuphead-Rausch

Wer auf der Gamescom durch die gut besuchten Hallen schlendert und am Stand von Croak vorbeikommt, könnte leicht einem fatalen Irrtum erliegen. Man sieht einen charmanten, etwas rundlichen Froschprinzen mit einer winzigen Krone, farbenfrohe Level und eine absolut hinreißende Zeichentrick-Optik. „Oh, wie niedlich, ein entspanntes Hüpfspiel für zwischendurch“, dachte wohl so mancher Messebesucher. Doch weit gefehlt! Ich hatte die Gelegenheit, das Spiel von WoodRunner Games auf der Messe selbst anzuspielen – und meine Hände haben geschwitzt.

Zuhause im virtuellen Schmerz: Ein Fest für Genre-Veteranen

Um es direkt vorwegzunehmen: Als jemand, der knackige Platform-Jumper wie Hollow Knight oder Super Meat Boy nicht nur mag, sondern regelrecht inhaliert, habe ich mich bei Croak sofort unglaublich wohl gefühlt. Unter der zuckersüßen Schale versteckt sich ein knochenharter, präziser Platformer, der keine Fehler verzeiht, aber genau dadurch diesen fantastischen Suchtfaktor generiert.

Das Movement ist fantastisch griffig. Man merkt sofort, dass die Entwickler verstanden haben, worauf es in diesem Genre ankommt: Totale Kontrolle. Die zentrale Mechanik ist die klebrige Zunge unseres blaublütigen Frosches. Mit ihr zieht man sich dynamisch an Oberflächen heran, nutzt den runden Froschbauch, um schwungvoll von Wänden abzuprallen, und katapultiert sich so über tiefe Abgründe und tödliche Dornenranken.

Viele Tode, großer Spaß: „Sehr schön!“

Dabei wird man nicht nur auf motorischer, sondern auch auf geistiger Ebene gefordert. Mechaniken wie rutschende Blöcke oder fiese Schneeflocken, die den Frosch gnadenlos in einen massiven Eiswürfel verwandeln, verlangen neben blitzschnellen Reflexen auch ein gewisses Puzzle-Verständnis.

Ich muss ehrlich zugeben: Für einige der anspruchsvolleren Platforming-Abschnitte auf der Messe habe ich absolut mehrere Versuche gebraucht. Und mein Fazit dazu lautet: Sehr schön! Genau so muss das sein. Jeder Bildschirmtod (und es waren einige) fühlte sich fair an. Das Spiel zwingt einen dazu, den Rhythmus der Level zu lernen, das Momentum der Froschzunge perfekt einzuschätzen und Millisekunden-Entscheidungen zu treffen. Wenn man dann nach dem fünften oder sechsten Anlauf endlich unbeschadet auf der anderen Seite landet, ist die Dopamin-Ausschüttung gewaltig.

Wenn Cuphead auf Rick & Morty trifft

Dass man trotz ständiger Neustarts nie frustriert den Controller in die Ecke feuern möchte, liegt maßgeblich an der atemberaubenden audiovisuellen Präsentation. Das Team von WoodRunner Games besteht unter anderem aus Animatoren, die bereits an Cuphead gearbeitet haben, und Environment-Artists aus der Rick & Morty-Serie. Diese geballte Expertise tropft aus jedem einzelnen Frame.

Die Welt ist ein wunderschöner, handgezeichneter Fiebertraum voller verrückter Ideen. Auf meiner Reise traf ich unter anderem auf einen Zigarre rauchenden Waschbären, der als Händler fungiert, und die Bossgegner sind an Absurdität kaum zu überbieten. Oder wie sonst sollte man einen Biber auf einem BMX-Fahrrad oder eine irre Ratte beschreiben, die in einem stacheligen Mad-Max-Schuh durch die Arena heizt?

Fazit: Ein absoluter Überraschungshit

Croak war für mich eine der größten und positivsten Überraschungen der diesjährigen Gamescom. Es kombiniert den absurden Humor und die visuelle Brillanz moderner Cartoons mit dem erbarmungslosen, punktgenauen Gameplay der besten Precision-Platformer unserer Zeit. Wer Spiele liebt, die einem motorisch alles abverlangen und gleichzeitig das Herz mit großartigem Art-Design erwärmen, kommt an diesem Titel nicht vorbei.

Das Spiel soll zunächst für den PC erscheinen, weitere Plattformen sind geplant. Ein genaues Release-Datum gibt es leider noch nicht, aber eines ist sicher: Croak ist sofort ganz oben auf meiner Steam-Wunschliste gelandet. Wer Hollow Knight liebt, sollte den Frosch unbedingt im Auge behalten!