Das wohl kontroverseste, polarisierendste und meistverspottete Fahrzeug der jüngeren Automobil- und Popkulturgeschichte hat das Ende seines Lebenszyklus erreicht. Tesla-Chef Elon Musk kündigte auf seiner Plattform X an, dass die Produktion des Cybertrucks im texanischen Werk bis Mitte 2027 schrittweise auslaufen und anschließend endgültig eingestellt wird. Das kantige Elektro-Gefährt, das einst als futuristischer Rüstungspanzer für die Massen angepriesen wurde, reiht sich damit nach nur wenigen Jahren auf dem Markt in die Liste spektakulärer Fehlschläge ein.

Fehlstart mit Ansage: Von zerborstenen Scheiben zum Internet-Meme

Schon der allererste Auftritt des Cybertrucks im Jahr 2019 geriet zum Vorboten einer Pannenserie: Als Musk auf offener Bühne die angebliche Unzerstörbarkeit des „Armor Glass“ demonstrieren wollte, schmetterte ein leitender Designer eine Metallkugel gegen das Fenster – das prompt vor den Augen der Weltpresse zersplitterte.

Trotz dieses Desasters hielt Tesla an dem kantigen Low-Poly-Design fest. Als die ersten Fahrzeuge schließlich mit jahrelanger Verzögerung Ende 2023 ausgeliefert wurden, entwickelte sich der Edelstahl-Pickup weniger zum Statussymbol als vielmehr zum ultimativen Spottobjekt in den sozialen Medien. Schnappschüsse von liegengebliebenen, rostenden oder im leichten Gelände feststeckenden Cybertrucks begründeten ein eigenes Internet-Genre, begleitet von Häme und Verwunderung über die teils katastrophale Verarbeitungsqualität.

Verbuggt in der Realität und in „Fortnite“

Die Absurdität des Fahrzeugs schwappte auch in die Games-Welt über: Im Rahmen groß angelegter Werbedeals fand der Cybertruck seinen Weg in Rockstars und Epic Games’ Welten – allen voran in Fortnite. Doch passend zum realen Vorbild war die digitale Version von Glitches und fehlerhafter Physik geplagt, was in der Spielerschaft für reichlich Galgenhumor sorgte.

Hinter dem spöttischen Meme-Status verbarg sich jedoch eine düstere Sicherheitsbilanz:

  • Rückrufe am Fließband: Tesla musste das Modell mehrfach großflächig zurückrufen – unter anderem wegen abfallender Karosserieteile auf der Autobahn und klemmender Gaspedale.

  • Tödliche Unfälle und Klagen: Besonders schwer wiegen laufende Gerichtsverfahren von Hinterbliebenen verunglückter Insassen. Den Vorwürfen zufolge führten defekte elektronische Türverriegelungen bei Crashs dazu, dass Insassen im brennenden Fahrzeugwrack gefangen blieben, ohne die Türen manuell öffnen zu können.

Schwenk zum „Cybercab“ – und politischer Gegenwind

Offiziell begründet Musk das Aus des Pickups damit, Fertigungskapazitäten in der texanischen Gigafactory für das autonome Robotaxi Cybercab freimachen zu müssen. Branchenanalysten zeichnen jedoch ein nüchterneres Bild: Die Nachfrage nach dem teuren Edelstahl-Ungetüm, von dem Musk einst 250.000 Einheiten pro Jahr verkaufen wollte, brach nach dem ersten Hype massiv ein.

Zudem steht der Tech-Milliardär an ganz anderen Fronten unter Druck. Nach seinen millionenschweren, hochgradig umstrittenen Einflussnahmen auf die US-Politik droht der Wind in Washington spürbar zu drehen. Das scheiternde Experiment Cybertruck dürfte in Musks Prioritätenliste derzeit nur eines von vielen brennenden Problemen sein – für die Straßen der Welt bedeutet das geplante Produktionsende jedoch vor allem: Der wohl seltsamste rollende Design-Unfall des Jahrzehnts wird bald wieder zur aussterbenden Spezies.