GameStop unterschätzte digitalen Wandel – „Nur eine Phase“, hieß es intern

Eine heute kaum vorstellbare Fehleinschätzung holt GameStop erneut ein: Laut einem ehemaligen Manager war das Unternehmen einst überzeugt, dass digitale Spieleverkäufe nur ein kurzfristiger Trend seien.

Diese Einschätzung stammt von Larry Kuperman, früher Business Developer bei Stardock und Mitverantwortlicher für die Plattform Impulse. In einem Vortrag auf der Game Developers Conference schilderte er, wie GameStop die Zukunft des Marktes massiv falsch eingeschätzt habe.


Digitale Spiele? „Geht wieder vorbei“

Als GameStop 2011 Impulse übernahm, hätte das Unternehmen eigentlich die perfekte Ausgangslage gehabt, um im digitalen Vertrieb Fuß zu fassen – und mit Plattformen wie Steam zu konkurrieren.

Doch intern sah man das offenbar anders:
Digitale Distribution wurde nicht als langfristige Entwicklung ernst genommen. Stattdessen setzte GameStop weiter voll auf das klassische Filialgeschäft und ging davon aus, dass physische Verkäufe ein Comeback erleben würden.

Kuperman beschreibt die damalige Haltung sinngemäß wie einen Blick in die Zukunft, „der wieder wie die 1950er aussieht“.


Verpasste Chance mit Ansage

Impulse war zu seiner Zeit durchaus konkurrenzfähig und wurde zeitweise sogar als echte Alternative zu Steam gehandelt. Große Publisher waren an Bord, das Wachstumspotenzial war da.

Doch statt die Plattform auszubauen, ließ GameStop sie langsam auslaufen.
2014 wurde der Dienst schließlich komplett eingestellt – und mit ihm verschwand auch die Chance, sich frühzeitig im digitalen Markt zu etablieren.


Die Folgen heute

Rückblickend wirkt die Entscheidung wie ein klassisches Beispiel dafür, einen technologischen Wandel zu verschlafen. Während digitale Stores heute den Markt dominieren, kämpft GameStop seit Jahren mit einem schrumpfenden Filialnetz und sinkender Relevanz im Kerngeschäft.

Der Fokus hat sich längst verschoben: Statt primär Spiele zu verkaufen, setzt das Unternehmen zunehmend auf Merchandise, Sammlerartikel und andere Einnahmequellen.


Fazit

GameStop hatte die Möglichkeit, früh ein ernstzunehmender Konkurrent zu Steam zu werden – und entschied sich dagegen.

Die Annahme, digitale Spiele seien nur ein vorübergehender Trend, gehört heute zu den größten Fehleinschätzungen der Gaming-Branche.