Review: Deadpool: Samurai – Band 3

Mit dem dritten Band von Deadpool: Samurai beweisen das Autorenduo Sanshiro Kasama und Zeichner Hikaru Uesugi eindrucksvoll, dass das Konzept des vorlauten Söldners im fernen Osten noch lange nicht ausgelutscht ist. Was als skurriles Crossover-Experiment begann, hat sich zu einer der cleversten Parodien der modernen Manga-Landschaft entwickelt. Wade Wilson mischt Tokio und vor allem die Redaktion des legendären Shonen Jump-Magazins ordentlich auf, wobei die vierte Wand nicht nur durchbrochen, sondern regelrecht in Schutt und Asche gelegt wird.

Die narrative Struktur von Band 3 verzichtet bewusst auf eine tiefschürfende, lineare Handlung und setzt stattdessen auf ein rasant getaktetes Feuerwerk aus Meta-Humor und absurden Situationen. Deadpool ist sich zu jedem Zeitpunkt schmerzhaft bewusst, dass er die Hauptfigur in einem japanischen Comic ist. Das führt zu genialen Momenten, in denen er sich lautstark über mangelnde Budgets beschwert, die Zensurvorgaben der Redakteure umschifft oder sich direkt an die Leser wendet, um über die Verkaufszahlen der vorherigen Bände zu philosophieren. Besonders stark ist der Band immer dann, wenn er die klassischen Klischees des Shonen-Genres aufs Korn nimmt. Ob endlose Trainings-Arcs, übertriebene Power-ups oder der typische Pathos von Freundschaft und Zusammenhalt – Deadpool zieht alles durch den Kakao und bricht die Regeln des Mediums, indem er beispielsweise Panels physisch manipuliert oder Sprechblasen als Waffe benutzt.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieses Mangas ist die visuelle Umsetzung von Hikaru Uesugi. Der Kontrast zwischen dem extrem detaillierten, fast schon dramatisch-epischen Zeichenstil und den völlig albernen Slapstick-Einlagen von Wade Wilson sucht seinesgleichen. Uesugi gelingt es meisterhaft, die Dynamik klassischer japanischer Kampfkunst-Manga einzufangen und sie im nächsten Moment durch Deadpools unvorhersehbares Verhalten ins Lächerliche zu ziehen. Wenn plötzlich bekannte Gesichter aus dem Marvel- oder gar dem erweiterten Anime-Universum auftauchen, zündet der Gag vor allem deshalb, weil die Zeichnungen so verdammt ernst genommen werden, während die Situation selbst purer Irrsinn ist. Das Spiel mit der Leserichtung und das bewusste Aufbrechen von Panelgrenzen machen den Band auch handwerklich zu einem extrem kreativen Vergnügen.

Für wen ist dieser Band also letztlich geschrieben? Wer eine fortlaufende, emotionale Charakterstudie sucht, wird hier glücklich scheitern. Deadpool: Samurai – Band 3 ist ein intelligenter, augenzwinkernder Liebesbrief an die moderne Popkultur, der allerdings ein gewisses Maß an Vorwissen voraussetzt. Die Witze zünden am besten, wenn man sowohl mit den Mechanismen des Marvel-Universums als auch mit den Eigenheiten der japanischen Manga-Industrie vertraut ist. Wer diesen Geek-Hintergrund mitbringt, wird aus dem Lachen kaum herauskommen, da die Dichte an Insider-Gags enorm hoch ist. Am Ende bleibt ein wilder, erfrischender Ritt, der zeigt, dass Deadpool im Schwarz-Weiß-Format vielleicht sogar noch mehr kreative Freiheit genießt als in seinen klassischen westlichen Heften.