THIEAUDIO Cypher im Test: Die neue Open-Back-Referenz – Besser als der Sennheiser HD 660S2?

Wer an die Marke THIEAUDIO denkt, hat sofort High-End-In-Ear-Monitore im Kopf. Mit dem brandneuen THIEAUDIO Cypher wagt der Hersteller nun jedoch den Frontalangriff auf den hart umkämpften Markt der offenen Over-Ear-Kopfhörer in der 400-Euro-Klasse.

Dort thront seit jeher der Platzhirsch Sennheiser HD 660S2. Wir haben den Cypher auf Herz und Nieren geprüft und klären im Test, ob der Newcomer den König stürzen kann und warum er Mainstream-Giganten von Sony und Bose das Fürchten lehrt.

Der „Aha-Moment“: Abschied vom Consumer-Einheitsbrei

Viele Musikfans und Gamer starten ihre Audio-Reise mit den typischen Marktführern: der Sony WH-1000-Reihe oder den Bose QuietComfort-Modellen. Diese Kopfhörer sind unschlagbar beim Active Noise Cancelling (ANC) im Bus oder Flieger. Wer sie jedoch zu Hause für den puren Musikgenuss oder immersives Gaming nutzt, ahnt oft nicht, wie viel Potenzial verloren geht.

Der Wechsel auf den THIEAUDIO Cypher ist ein regelrechter Kulturschock. Wo Sony und Bose den Klang mit digitaler Signalverarbeitung (DSP) verbiegen und in den Kopf pressen, lässt der Cypher die Musik durch seine offene Bauweise (Open-Back) regelrecht atmen. Das Ergebnis ist eine breite, dreidimensionale Bühne, auf der jedes Instrument millimetergenau geortet werden kann. Ein absolut meisterhaft abgestimmter Sound, der beim ersten Hören für Gänsehaut sorgt.

Design & Komfort: Eine Materialschlacht wie im High-End-Segment

Sennheiser setzt bei seiner legendären HD-600-Reihe traditionell auf sehr viel Kunststoff, das ist zwar leicht, fühlt sich für knapp 400 Euro aber nicht immer besonders edel an. THIEAUDIO geht hier einen völlig anderen Weg und liefert eine absolute Materialschlacht ab:

  • Gehäuse: Die Ohrmuscheln sind komplett aus einem einzigen Block Flugzeug-Aluminium (CNC-gefräst) gefertigt. Das sorgt nicht nur für ein extrem wertiges Gefühl, sondern eliminiert auch jegliche Resonanzen im Gehäuse.

  • Kopfbügel: Ein Mix aus Edelstahl und einer schicken Carbonfaser-Optik, unterfüttert mit echtem Lammleder.

  • Die Polster-Revolution: Die Ohrpolster sind mit weichem Velours überzogen und mit Memory-Schaum gefüllt. Sie schaffen den seltenen Spagat, extrem anschmiegsam und weich zu sein, ohne dabei an Stabilität zu verlieren. Das absolute Highlight: Die Polster sind magnetisch befestigt. Kein lästiges Gefriemel mehr beim Wechseln – einfach abziehen und einklicken lassen.

Die Akustik im Detail: Open-Back ohne die typischen Schwächen

Klassische offene Kopfhörer haben oft ein Problem: Sie neigen zu einem minimalen, bauartbedingten „Luftrauschen“ oder einem hohlen Gefühl in den Muscheln. THIEAUDIO hat dieses Problem durch perfekt berechnete, akustische Innenkammern komplett gelöst. Es gibt kein störendes, räumliches Eigenrauschen.

Gleichzeitig bietet der Cypher den größten Vorteil der offenen Bauweise: Man behält ein natürliches Raumgefühl. Wer beim Sprechen oder im Voice-Chat das unangenehme, dumpfe "Unter-Wasser-Gefühl" geschlossener Kopfhörer hasst, wird den Cypher lieben. Die eigene Stimme klingt absolut natürlich.

Klanglich feuert der neu entwickelte 50-mm-Dynamiktreiber mit seinem 20-Kern-N45-Magnetsystem ein wahres Feuerwerk ab:

Der Bass: Während der Sennheiser HD 660S2 im tiefsten Frequenzkeller (Sub-Bass) bauartbedingt etwas abfällt, drückt der Cypher spürbar tiefer und kontrollierter nach unten, ohne jemals die Mitten zu verwaschen.

Die Mitten & Höhen: Stimmen klingen glasklar und intim. Die Höhen sind detailreich und luftig, verzichten aber komplett auf die anstrengende Schärfe, die manch andere Studio-Kopfhörer unerträglich macht.

Dank einer Impedanz von 32 Ohm lässt sich der Cypher zudem erstaunlich leicht antreiben. Ein klobiger Desktop-Verstärker ist nicht zwingend nötig; ein hochwertiger mobiler USB-DAC oder ein gutes Audio-Interface reichen völlig aus.


Der mitgelieferte Aufbewahrungstasche ist zudem sehr stylisch und mal viereckig :)

Gaming-Check: Die ultimative Geheimwaffe für maximale Ortung

Auch wenn der Cypher primär für Audiophile vermarktet wird, sollten Gamer hier ganz genau hinhören. Auf Planetkey wissen wir, wie entscheidend der richtige Sound für die Competitive-Szene und die Atmosphäre in Singleplayer ist. Dank der extrem präzisen Separation des 50-mm-Treibers bietet der Cypher eine räumliche Ortung, die herkömmliche „Gaming-Headsets“ meilenweit hinter sich lässt.

In Shootern wie Counter-Strike 2, Valorant oder Call of Duty lassen sich Schritte, Schüsse und Fähigkeiten nicht nur links oder rechts, sondern zentimetergenau im Raum und in der Höhe lokalisieren – ein echter unfairer Vorteil. In atmosphärischen Open-World-Spielen wie Cyberpunk 2077 oder The Witcher sorgt die offene Bühne wiederum für eine epische, kinoreife Kulisse.

Ein unschätzbarer Bonus im Voice-Chat (Discord/Teamspeak): Da man seine eigene Stimme durch die offene Konstruktion völlig natürlich und ohne das typische, dumpfe Druckgefühl im Ohr hört, neigt man nicht dazu, seine Teamkollegen unbewusst anzuschreien. Zusammen mit den atmungsaktiven Velours-Polstern bleibt der Cypher auch nach stundenlangen Raid- oder Ranked-Nächten absolut schweiß- und ermüdungsfrei.

Fazit: Der neue Preis-Leistungs-König

Der THIEAUDIO Cypher ist ein absoluter Volltreffer. Wer von klassischen Bluetooth-Kopfhörern wie Sony oder Bose kommt, wird eine völlig neue Dimension des Hörens entdecken. Aber auch im direkten Vergleich mit dem Sennheiser HD 660S2 zieht der Cypher in Sachen Materialqualität (Alu und Echtleder statt Plastik), Tiefbass-Fundament und cleveren Features (magnetische Polster) vorbei. Für 363€ ist dieser Kopfhörer ein absoluter Nobrainer für Audiophile und anspruchsvolle Gamer.