Der Kampf um das Vermächtnis von BioWare verlagert sich von den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke endgültig auf den Asphalt vor Electronic Arts' Haustür. Nachdem die Initiative #SaveMassEffect im Vormonat bereits in Rekordzeit Plakatflächen am New Yorker Times Square gebucht hatte, schickte die Fan-Gruppierung „We Are Mass Effect“ nun einen mobilen Werbetruck direkt an den Hauptsitz des Publishers im kalifornischen Redwood City. Vier Stunden lang umrundete das Fahrzeug am 6. November das Areal von EA und EA Sports – mit unübersehbaren Botschaften zur Rettung der legendären Sci-Fi-Saga.

Vierstündige Mahnwache auf Rädern vor dem EA-Hauptquartier

Initiiert wurde die mobile Protestaktion von den Community-Organisatorinnen Mer und Ariel Aguilar sowie Content Creator Kala Elizabeth. Der Werbetruck patrouillierte bis 13:00 Uhr Ortszeit auf den öffentlichen Straßen rund um den Konzernsitz, um der Chefetage die Botschaft der Spielerschaft unmissverständlich vor Augen zu führen.

Mitorganisatorin Mer stellte gegenüber Kotaku klar, dass der Fahrer angewiesen wurde, die Gebäude so eng wie rechtlich zulässig zu umrunden, ohne das Privatgelände von EA zu betreten. Die Initiatoren riefen die Community in der Region dazu auf, Sichtungen und Fotos des Trucks unter dem Hashtag zu teilen, warnten zeitgleich jedoch eindringlich vor Grenzüberschreitungen oder unbefugtem Betreten des Konzerngeländes.

Bitterer N7 Day: Vom Feiertag zum Trauerspiel

Das Timing der Aktion trifft einen besonders wunden Punkt in der Gaming-Historie: Der 7. November gilt in der Community seit jeher als N7 Day – der offizielle, alljährliche Feiertag zu Ehren des Mass Effect-Universums. Nach der überraschenden Schließung des Traditionsstudios BioWare am 21. Oktober 2026 verwandelt sich der Gedenktag in diesem Jahr jedoch in eine bittere Farce.

Im Vorfeld des Datums wurde bekannt, dass BioWare vor der Abwicklung noch diverse Lizenz- und Merchandise-Deals für den N7 Day vorbereitet hatte. Branchenberichten zufolge sollte am heutigen Wochenende eigentlich ein neuer Teaser zu dem nun eingestampften Projekt Mass Effect: Universe enthüllt werden. Dass EA nun voraussichtlich weiterhin Fanartikel zu einem Franchise verkauft, dessen Schöpferstudio vor zwei Wochen vor die Tür gesetzt wurde, facht die Wut der Anhänger nur weiter an.

Politischer Vorstoß im kanadischen Unterhaus

Die Protestwelle beschränkt sich längst nicht mehr auf Werbeflächen und Social-Media-Hashtags. Im Heimatland des Studios hat der Konflikt die politische Bühne erreicht: Kanadische Fans reichten eine offizielle E-Petition im Unterhaus (House of Commons) ein, die von Abgeordneten wie dem NDP-Politiker Don Davies öffentlich unterstützt wird.

Die Eingabe fordert die kanadische Regierung auf, Finanzierungshilfen und Fördergelder für die entlassenen BioWare-Entwickler zu prüfen. Das Ziel: Den ehemaligen Angestellten die Möglichkeit zu geben, das Studio sowie die Markenrechte an Mass Effect und Dragon Age von Electronic Arts freizukaufen und als unabhängiges kanadisches Studio weiterzuführen.

Auch wenn ein solcher Rückkauf rechtlich zwingend an die Verkaufsbereitschaft von Electronic Arts gekoppelt wäre und EA weiterhin auf den Rechten sitzt, demonstriert der Schulterschluss aus Plakat-Aktionen, Truck-Protesten und parlamentarischen Petitionen eines: Die Mass Effect-Community ist nicht bereit, das abrupte Ende ihres Universums widerstandslos hinzunehmen.